Bei den neuen "Monkey Bars" ging es mit einer Stufe nach oben

Am 16. September fand südlich von Hamburg endlich wieder das Mud Masters Event statt. Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr war eine Teilnahme für uns auch in diesem Jahr selbstverständlich. Wir wissen die tolle Organisation vom Event sehr zu schätzen und waren auch in diesem Jahr von der Strecke begeistert, die wieder einige neue Hindernisse für die Teilnehmer bereit hielt. Neu dabei waren unter anderem der Pipe Runner (Halfpipe) und diverse Variationen der Monkey Bars (Spinning und Vertical Monkey). Natürlich warteten auch einige altbekannte Hindernisse, wie der Flyer (Rutsche), Net Jump und der Sizzler, der einen auf der 12 und 18 km Runde gleich zweimal unter Strom setzte. Je nach gewählter Distanz warteten zwischen 14 und 94 Hindernissen auf die Läufer. Die gesamte Lauf-Strecke war auf eine relativ kleine Fläche komprimiert, so dass auch Zuschauer bei Mud Masters voll auf ihre Kosten kamen. Viele der Hindernisse waren mit ein wenig Fußmarsch perfekt erreichbar. Wir waren von morgens 8 Uhr bis ca. 17 Uhr vor Ort und durften die Strecke selber erleben und im Anschluss einige Stimmen der anderen Teilnehmer einfangen. Die Teilnehmer waren sich am alle Ende einig: Mud Masters Hamburg 2017 war ein großer Erfolg.

Erfahrungsberichte von der Strecke

Franzi startete bei den 12 Kilometern und Steffen startete (wieder einmal) auf der Marathon Distanz wo er 1 x 18, 1 x 12 und 2 x die 6 km Strecke absolvieren durfte.

Erfahrungsbericht von Steffen

Start war für mich, mit allen anderen Marathon Teilnehmern (80), um 9.30 Uhr. Ich war an diesem Tag gut drauf, fühlte mich trotz der Anstrengung der letzten Woche wieder voll regeneriert und fit. Mit mir gemeinsam startete Chris aus dem gleichen Team, der heute seine Bestzeit vom letzten Jahr unterbieten wollte. Ich hatte vor dem Start kein besonderes Ziel, sondern wollte einfach nur irgendwie die 42 Kilometer überstehen. Schon vor dem Start war ich heiß auf die neuen Hindernisse und aufgeregt wie schon lange bei keinem anderen Event mehr.

Schon auf dem ersten Streckenabschnitt liefen Chris und ich ganz vorne. Als erstes richtiges Hindernis gab es die Monkey Bars, die in diesem Jahr in der Mitte einen Teil hatten, bei welchem es nach oben und wieder nach unten ging – eine fordernde und tolle Verbesserung dieses Hindernisses. Das Tempo war auch nach den ersten Hindernissen weiter hoch. Erst nach dem ersten Drittel überholten uns zwei weitere Marathon-Teilnehmer, leicht zu erkennen an einer gelben Weste, mit einem gigantischen Tempo. Wir ließen die beiden vorbeiziehen und liefen weiter unser Tempo. Die Strecke war matschig, die Hindernisse besonders im 18 km-Teil wirklich fordernd. Immer wieder musste sich mit viel Kraft irgendwo hochgezogen werden – mal an einem Netz, mal an einem Balken. Chris überwand die Hindernisse spielend leicht – ich hatte schon bei ein oder anderen Hindernis Probleme und hätte das Hindernis ohne seine Hilfe nicht überwinden können. Die neuen Hindernisse machten Spaß, obwohl sich einige Hindernisse mehrmals auf der Strecke wiederholten.

Bei den neuen „Monkey Bars“ ging es mit einer Stufe nach oben

Nach 2 Stunden die ersten 18 km geschafft

Als wir nach ca. 2 Stunden die erste 18 Kilometer Runde geschafft hatten klang es vom Moderator so, als wären wir die ersten Marathon-Teilnehmer, die heute erstmals durch den Marathon-Bogen in die nächste Runde gehen. Die zweite Runde (12 km) lief für mich nicht mehr ganz optimal. Ich brauchte einen Moment um wieder richtig in Gang zu kommen, so dass ich Chris ziehen lies, um ihm kein Hindernis bei seiner Bestzeit zu sein.

Also kämpfte ich mich ab Kilometer 21 alleine über die Strecke. Es waren zu diesem Zeitpunkt sehr viele Teilnehmer auf der Strecke, welche die Marathon-Teilnehmer aber glücklicherweise bei den Hindernissen vorließen oder diesen Hilfe anboten. Nach meinem Tiefpunkt kam ein richtiges Hoch und so lief es ab Kilometer 25 wieder rund. Ich schaffte alle Hindernisse auf der 12 Kilometer-Strecke ohne Hilfe und konnte mein Tempo wieder etwas erhöhen. Chris war zu diesem Zeitpunkt schon weit vor mir.

Der „Flyer“ war auch mein Highlight an diesem Tag. Ich durfte gleich 4 mal rutschen 😉

Die Oberschenkel machten dicht

Als ich nach 30 Kilometern in die erste 6 km Runde ging, war ich wieder sehr gut drauf. Ich sagte mir immer nur „diese 12 Kilometer schaffst du nun auch noch„. Allerdings musste ich schon in dieser Runde immer öfter gehen – meine Oberschenkel machten dicht. Als ich das dritte Mal den Flyer herunterrutschte und auf meine Uhr sah, war ich plötzlich wieder sehr motiviert. Ich hatte ein Ziel und wollte den Marathon in unter 5 Stunden finishen. Leider wollte meine Beine nicht mehr wirklich, so dass ich immer nur kleine Abschnitte laufend absolvieren konnte. Immer wieder zwang mich mein Körper in ein schnelles Geh-Tempo zu wechseln. Meine Oberschenkel waren kurz vor einem Krampf. Irgendwie konnte ich diesen aber abwenden und lief einfach weiter. Ich traf auf der Strecke viele andere Marathon-Teilnehmer, die zu diesem Zeitpunkt noch in ihrer ersten 6 Kilometer-Runde waren. Bis auf die letzten Meter kämpfte ich, ein letztes mal über den Flyer und durch den Sizzler.

Beim Sizzler gab es Strom

Nach 5:02 Stunden überquerte ich die Ziellinie beim Mud Masters Marathon. Obwohl ich mein während des Laufs gesetztes Ziel knapp verfehlt hatte, war ich glücklich. Für mich war es die Bestzeit bei einem Hindernislauf-Marathon. Dank des schnellen Tempos mit Chris in der ersten Runde konnte ich eine hervorragende Zeit laufen und reihte mich direkt hinter ihm auf Platz 2 ein. Noch am Start hätte ich niemals gedacht, dass ich unter die ersten drei Läufer kommen würde. Auch jetzt, einen Tag später, kann ich es immer noch nicht wirklich glauben. Mud Masters Hamburg war für unser Team, die OCR Heidesprinter, ein großer Erfolg.

Kritik an Mud Masters Hamburg

Wir wollen das sich Mud Masters weiter entwickelt und natürlich auch weiter verbessert. Die Konkurrenz schläft schließlich nicht… Deshalb gibt es jetzt noch einige Punkte, die mir nicht so gut gefallen haben. An der Strecke gibt es insgesamt wenig zu kritisieren. Diese war gut ausgeschildert und vor dem Start wurde klar gesagt, wie die Marathon-Läufer zu laufen haben. Allerdings wäre es ohne eigene Strecken-Verpflegung schwierig gewesen diese lange Distanz zu finishen. Es gab an den Verpflegungspunkten lediglich Wasser und an einigen Stationen Bananen. Wer keine Gels oder isotonischen Getränke dabei hatte, wird es auf der langen Distanz sehr schwer gehabt haben. Auch die Ziel-Verpflegung war insgesamt sehr dürftig bzw. gar nicht vorhanden. Es gab lediglich ein alkoholfreies Bier. Diese ist in meinen Augen noch ausbaufähig. Zumindest ein bisschen Obst oder ein Riegel wäre an dieser Stelle wirklich nicht zu viel verlangt gewesen. Außerdem wäre es schön, wenn ab der 18 km-Distanz auch wieder die Distanz mit auf das Finisher-Shirt kommt (am Ärmel). Auch die Medaille für die Marathon-Läufer könnte etwas größer und robuster ausfallen… Wir waren auch schon bei Mud Masters in Weeze dabei und haben den Eindruck, als wäre Mud Masters in Hamburg der „kleine Bruder“. Dieses liegt vermutlich auch mit an deutlich weniger Teilnehmern bei der Hamburg-Edition. Auch die Terminierung des Events sollte vielleicht im nächsten Jahr noch einmal überdacht werden. Wenn mehrere namenhafte Hindernisläufe, mit dem gleichen Einzugsgebiet der Teilnehmer, an einem Tag terminiert sind, werden logischerweise weniger Teilnehmer kommen. Das war es jetzt aber von meiner Seite zu Mud Masters Hamburg. Im letzten Teil wird Franzi noch kurz ihre Eindrücke vom Event zusammenfassen.

Erfahrungsbericht von Franzi

Steffen hatte mich vor etwa einem Monat gefragt, ob ich nicht auch bei Mud Masters starten möchte. Da meine Knie sich zur Zeit gut halten und ich wirklich Spaß bei den letzten Hindernisläufen hatte, sagte ich dankend zu. Um daraus eine noch größere Herausforderung zu machen, entschied ich mich für die 12 km Distanz. Ich bin in meinem Leben noch nie soviel auf einmal gelaufen – die längste Distanz, die ich bisher gelaufen bin, waren 8 km. Ich wollte es mir und meinem Körper beweisen, dass ich auch längere Distanzen ohne ein großartiges Training laufen kann. Der letzte Lauf (6 km) war nun schon ein Monat her.

Nachdem wir unsere Startunterlagen ganz unkompliziert am Eingang abgeholt hatten, konnten wir auch schon das erste Hindernis sehen. Die Monkey Bars. Plötzlich hatte richtige Schmetterlinge im Bauch und machte mir auch etwas Sorgen. Was ist wenn ich die 12 km doch nicht schaffe und bei den Hindernissen versage?! Diese Gedanken blieben aber nicht lange in meinem Kopf, denn ich wollte ja in erster Linie bei Mud Masters starten um Spaß zu haben. Ich stand schon sehr oft am Rand, habe Steffen angefeuert und habe alle Hindernisse studieren können, mir die Techniken der Läufer angeschaut und war jedes Mal ein wenig neidisch, nicht selber starten zu können. Also alle Bedenken beiseite geschoben, Sportsachen an und ab in den Startbereich. Nach einem kurzen Briefing und einem Warm Up ging es auf die Strecke. Nach den ersten Heuballen kamen auch schon die von mir so gefürchteten Monkey Bars. Sie waren unendlich lang und am Boden lauerte eiskaltes Wasser auf jeden, der es nicht schaffte. Ich kämpfte mich bis zur Hälfte durch, bis meine Kräfte sich verabschiedeten und ich unter Wasser landete. Nach einem kurzen Schockmoment zog ich mich schnell aus dem Wasser und lief weiter. Ich ärgerte mich noch kurz darüber, das ich es nicht geschafft hatte aber dann war es mir auch egal. Der erste Matsch lies auch nicht mehr lange auf sich warten und ab da war ich einfach nur noch glücklich! Je matschiger der Hindernislauf ist, desto mehr Spaß habe ich. Zum Glück hatte ich wieder meine Trailrunning Schuhe an. Ich kann diese wirklich jedem nur empfehlen, da diese Schuhe einen wahnsinnig guten Tritt haben und du nicht befürchten musst, bei der nächsten schlammigen Passage einen Spagat hinlegen zu müssen. Die Hindernisse verlangten einem viel Greif- und Sprungkraft ab, welche ich leider noch nicht so gut beherrsche. Ohne Hilfe hätte ich viele Hindernisse gar nicht schaffen können. Immer wenn ich nur ansatzweise das Gefühl hatte, das Hindernis nicht schaffen zu können, schob oder zog mich jemand auf das Hindernis. Diese Hilfsbereitschaft überwältigt mich immer wieder bei den Hindernisläufen. Jeder ist gleich und hat das selbe Ziel vor Augen! Einer für Alle und Alle für einen!

Die Hindernisse waren alle gut auf der Strecke verteilt, sodass ich nie das Gefühl hatte, nicht mehr laufen zu können. Im Wechsel ging es hoch und wieder runter. Matsch und Wasser gaben sich die Hand. Mein Highlight war definitiv der Flyer. Obwohl er wahnsinnig schnell vorbei war und ich mich kaum an etwas erinnern kann, hatte ich einen richtigen Kick. Zur Erklärung: Der Flyer ist eine 10 Meter hohe Rutsche, die in eiskaltes Wasser führt. Vor lauter Panik habe ich meine Augen zugekniffen und meine Nase kurz vor dem Aufprall zugehalten. Am Rand warteten die Rettungsschwimmer und passten ganz genau auf, das nichts passiert. Ich war einfach nur geflasht und voller Adrenalin, dass ich mich erstmal kurz sammeln musste. Das Hindernis was ich wohl am meisten unterschätzt hatte, war das Seil, was ca. 2,50 m über dem Boden hängt und die Teinehmer dazu auffordert sich etwa 10 m daran entlang zu hangeln. Ich hing wie ein Faultier am Seil und wusste nicht wie ich meine Arme und Beine koordinieren sollte um vorwärts zu kommen. Das Seil drückte sich in meine Waden hinein, das diese kurz vorm Krampf waren. Ich kam vielleicht 3 Meter weit und lies mich dann vorsichtig auf den Boden fallen. In diesem Moment war ich tierisch froh darüber, dass das Seil nicht über Wasser hing, wie ich es auch schon etliche Male gesehen hatte. Respekt an alle die dieses Hindernis geschafft haben. Da fehlt mir auf jeden Fall noch die Übung! Nach 2 Stunden und 20 Minuten kam ich glücklich und stolz ins Ziel. Ich hatte es geschafft! Stolz nahm ich mein Mud Masters Shirt und das Bier entgegen.

Es war wirklich ein richtig cooler Lauf, mit anspruchsvollen Hindernissen und tollen Teilnehmern! Es hat von Anfang bis Ende Spaß gemacht. Hinsichtlich der Kritik, kann ich mich nur bei Steffen anschließen. Wenn beim nächsten Mal die Verpflegung noch etwas aufgestockt wird, traue ich mich vielleicht sogar an die 18 km ran. Bis zum nächsten Mal, ich freue mich drauf!

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Hey! Ich bin Steffen, 28 Jahre und Autor dieses Beitrags. Hier einige Infos zu mir: Ich bin schon seit ich denken kann vom Sport fasziniert. Ich liebe außergewöhnliche Sportarten, die einem körperlich alles abverlangen und an meine Grenzen bringen. So stecke ich meine sportlichen Ziele immer wieder höher! Ich verbringe viel Zeit bei sportlichen Aktivitäten an der frischen Luft und in der Natur – ganz nach dem Motto „es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung“. Ich liebe Hindernis- und Extremläufe. Im Jahr 2016 habe ich meinen ersten Marathon mit Hindernissen und ersten 100 km Marsch gefinisht. Ich fahre auch in meiner Freizeit viel Fahrrad, gehe viel laufen und mache seit knapp zwei Jahren Bodyweight-Training. Ich liebe es mich in der Natur (Berge, Seen) zu bewegen, um neue Orte und landschaftliche Highlights zu entdecken. Die Sommer-Monate verbringe ich meist auf dem Stand Up Paddling Board. Auf dem SUP-Board erkunde ich sportlich Flüsse, Seen und Kanäle rund um Hamburg. Sport ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Hier fülle ich meine Energiereserven wieder auf, finde einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag und entwickle neue Ideen für diese Seite und meine YouTube-Kanal (FitnessBox). Über Kommentare und Nachrichten von euch hier auf der Seite freue ich mich immer sehr!

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