Bei einigen Situationen im Leben wird, bevor richtig darüber nachgedacht werden kann, einfach gehandelt. Ungefähr so war es auch mit meiner Anmeldung im Dezember 2016 für das Spartan Trifecta Weekend in Oberndorf (Tirol). Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung was mich an diesem Wochenende in Österreich alles erwarten würde. Ich bin vorher noch nie bei einem Spartan Race gestartet, hatte nur hier und da mal ein bisschen was dazu aufgeschnappt. Zwei Tage vor dem Abflug nach Österreich, sammelte ich noch einige Informationen zusammen und bekam es mit der Angst zu tun. Es wurde geschrieben, dass die Beast-Distanz (die längste von allen) bis zu 7 Stunden dauern solle. Nun hatte ich mich aber gleich für drei Distanzen an diesem Wochenende angemeldet, um die begehrte Spartan Trifecta Medaille zu erkämpfen. Zuerst sollte die Beast-Distanz mit 20+ Kilometern, dann am gleichen Tag nachmittags noch die Sprint-Distanz mit 5+ Kilometern  absolviert werden. Am Sonntag dann der krönende Abschluss mit der Super-Distanz und 13+ Kilometern. Die Strecke beim Spartan Race war auch in diesem Jahr ein großes Geheimnis. Niemand wusste genau was das „Plus“ hinter den Distanzen genau heißt und welche Hindernisse einen bei den unterschiedlichen Distanzen erwarten würden.

Check-In und Gelände

Nach unserer Anreise am Freitag gingen wir direkt zum Event-Gelände und machten den Check-In für die zwei Distanzen am Samstag. Hierbei konnten schon die letzten Hindernisse (und die letzten 500 Meter von der Strecke) begutachtet werden. Beeindruckend was für ein Hindernisparkour auf den letzten Metern noch aufgebaut war. Es war eine Kombination von technisch anspruchsvollem Hangeln, dem berüchtigten Speerwurf und einer seeehr langen matschigen Strecke. Den Zuschauern sollte auf den letzten Metern auf jeden Fall noch einiges geboten werden. Meine Vorfreude stieg zu diesem Zeitpunkt, weil ich mich auch mit einigen anderen Verrückten unterhalten konnte, die das gleiche vorhatten wie ich – alle drei angebotenen Distanzen an zwei Tagen. Es gab schon viele Gerüchte über die Strecke und das Erklimmen der Berge in der Umgebung. Ganz genau wusste aber niemand wie lang die Beast-Distanz am nächsten Morgen wirklich sein würde.

Die Trifecta Wall

Der nächste Tag begann für mich mit einem schnellen Frühstück bevor ich mich zu Fuß zum Eventgelände begab. Schon um 8.30 Uhr sollte es für mich auf die erste lange Distanz gehen. Natürlich startete ich in der Trifecta Welle, in welcher ich viele bekannte Gesichter traf. Keiner hatte vorher diese Herausforderung bestritten und wusste so recht worauf er sich eingelassen hatte – ich war nicht alleine, sondern einer von ca. 750 Verrückten, die das Trifecta Weekend in Oberndorf absolvieren wollten. Schon während des Warm-Ups wurde uns ordentlich eingeheizt und wir gingen voller Adrenalin pünktlich auf die Strecke – das hier ca. 25 anspruchsvolle Kilometer mit heftigen Hindernissen auf uns warten würden, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Über den Steinbruch in den matschigen Wald

Erstmal ging es nach einer kleinen Steigung direkt in einen Steinbruch bei welchem die ersten Hindernisse zum warm werden auf uns warteten. Das Gelände war bergig und anspruchsvoll. Das Befüllen und Tragen eines Eimers mit nassem Kies kostete schon viel Kraft und Durchhaltevermögen. Aufgrund der frühen Startgruppe waren an allen Hindernissen noch strenge Marshalls, welche die richtige Hindernis-Überwindung beurteilten – zu wenig Kies im Eimer gab einen extra Stein oben drauf. Ganz unten im Steinbruch hatten wir die ersten Berührungspunkte mit dem Wasser. Ein kleiner Teich sollte durchschwommen werden.

Danach ging es steinige sandige Hügel Richtung Wald rund um Oberndorf. Immer wieder Steigungen und anspruchsvolle matschige und steinige Passagen warteten auf die Teilnehmer. Auch im Wald galt es viele Hindernisse zu überwinden. Seil hinaufklettern, über Holzpfähle balancieren und Holzwände. Bei den Holzpfählen musste ich die ersten 30 Burpees, für ein nicht geschafftes Hindernis, absolvieren. Der Wald war extrem matschig, so dass das Tragen eines Reifens und später einer schweren Kette zu einer heftigen Herausforderung wurde. Immer wieder versanken die Schuhe im tiefen Schlamm. Der Abschnitt im Wald kostete viel Kraft, weil die Strecke auch immer wieder durch unebene Bachläufe führte. Nach ca. 10 Kilometern war der erste Streckenabschnitt im Wald geschafft und es ging grob Richtung Kitzbüheler Horn.

Rauf auf den Berg

Nach einer Flussquerung mit ordentlich Strömung führte die Strecke in einem Bachlauf stetig bergauf. Als der Bachlauf an einem Wasserfall mit einer Holzkonstruktion und einem Netz verlassen werden konnte, sollte allerdings erst die richtige herausfordernde Steigung kommen. Mitten im Wald ging es steil bergauf. Alle Läufer reduzierten ihr Tempo in diesem Abschnitt auf ein Minimum und schlichen die matschige Passage im Wald hinauf. Als der erste Teil im Wald geschafft war durfte kurz ein Speer geworfen werden bevor es erst kriechend, dann laufend eine Skipiste hinauf ging. Diese wirkte schier unendlich und wollte gar kein Ende nehmen. Als ich die Zwischenstation erreicht hatte und die nächsten Hindernisse warteten, war ich schon ziemlich k.o. Es sollte aber noch weiter bergauf gehen. Diesmal mit einem 50 lbs schweren Sandbag auf den Schultern. Oben erwartete uns eine Merk-Aufgabe, welche erst kurz vor dem Ziel wieder abgefragt wurde. Die Strecke führte insgesamt auf ca. 1600 Meter Höhe. Die Aussicht an diesem sonnigen Samstag war gigantisch – die Kulisse beim Spartan Race in Oberndorf ist einfach einzigartig. Als es endlich wieder bergab ging war ich sehr erleichtert. Meine Uhr zeigte zu diesem Zeitpunkt aber schon über 20 Kilometer. Auf dem Weg nach unten warteten immer wieder kleinere Hindernisse, wie Holzwände oder das Tragen eines Baumstamms. Auch musste ein Bergsee durchschwommen werden, der eine willkommene Abkühlung war. Auf einem steilen matschigen Abschnitt ging es im Wald weiter Richtung Tal. Die letzten Meter bis ins Tal führten wieder direkt durch einen Bachlauf.

Ab durch den Fluss in die finale Runde

Als es erneut durch den Fluss ging war das Ziel nicht mehr weit entfernt. Es wartete nur noch der Hindernis-Parkour direkt auf dem Festival-Gelände. Ein letztes Mal Speer werfen, Hangeln, Klettern und Kriechen. Als ich über das Feuer Richtung Ziel sprang war ich sehr erleichtert.

Feuer nach dem Beast

Ich hatte die härteste Herausforderung an diesem Wochenende, die Beast-Distanz, geschafft. Meine Uhr zeigte 4:44 Stunden, ca. 25,5 Kilometer und über 1300 Höhenmeter an. Meine Beine waren nach dem Zieleinlauf schon ziemlich zermürbt. Vor allem die Steigungen, die ich sonst nicht kenne, haben mich ordentlich zerstört.

Weiter mit dem Sprint

Nach einer kurzen Stärkung, einem Kleidungswechsel und einer Pause auf der Festival Wiese sollte es schon wieder auf die Strecke gehen. Die Sprint-Distanz wollte an diesem Samstag noch bezwungen werden. Ich entschied mich spontan in eine frühe Startwelle zu gehen, so dass ich statt um 16 Uhr (Trifecta Welle) schon um 14:15 Uhr an den Start ging. Bevor mein Körper das alles richtig realisieren konnte und anfing runter zu fahren, befand ich mich schon wieder im Steinbruch und kämpfte mich ein zweites Mal durch den ersten Streckenabschnitt (siehe oben).

Die Hindernisse waren die gleichen. Allerdings machte ich gefühlt alles nur noch halb so schnell. Ich schlich förmlich über die Strecke und hatte nur noch wenig Kraft bei den Hindernissen. So musste ich bei der Sprint-Distanz insgesamt 90 Straf-Burpees absolvieren (beim Beast waren es insgesamt nur 60). Als es nach der Schrägwand den Bachlauf wieder Richtung Tal und Festival-Gelände ging war ich sehr erleichtert. Spaß wollte bei der Sprint-Distanz irgendwie nicht so richtig aufkommen. Ich wollte diese einfach nur noch so schnell wie möglich hinter mich bringen und todmüde ins Bett fallen.

Der letzte Streckenabschnitt auf dem Gelände war durch die vielen Teilnehmer noch matschiger als bei der Beast-Distanz am Morgen. Glücklich überquerte ich nach ca. 1:44 Stunden die Ziellinie bei der Sprint-Distanz (ca. 7,5 km) – Tag 1 war geschafft. Mit über 33 Kilometern an diesem Tag und vielen Höhenmetern hat mir dieser Tag wirklich alles abverlangt. Meine Oberschenkel waren steinhart und für nichts mehr zu gebrauchen. Trotzdem war ich stolz nun schon 2/3 vom Trifecta Weekend geschafft zu haben und hatte auch tatsächlich schon wieder etwas Lust am Sonntag erneut auf die Strecke zu gehen.

Auch die Sprint-Distanz ist geschafft!

Sonntag wartete die Super-Distanz

Mit müden Knochen und Muskeln saß ich am Sonntagmorgen beim Frühstück. Es hatte die ganze Nacht geregnet und auch auf dem Weg zum Event-Gelände wollte der Nieselregen nicht aufhören. Im Start-Bereich traf ich auf die anderen Teams, die den ersten Tag glücklicherweise auch nicht einfach so locker weg gesteckt hatten.

In der Trifecta Welle um 9:30 Uhr waren die Teilnehmer vom Vortag gezeichnet. Trotzdem war direkt beim Warm-Up im Startblock wieder die volle Motivation da, die Laune hervorragend, das Adrenalin schoss durch die Adern – als der Startschuss fiel war ich wie beflügelt und hatte die schmerzenden Oberschenkel komplett vergessen. Natürlich führte auch die Super-Distanz wieder auf direktem Weg in den Steinbruch. Diesmal ging es aber „trocken“, ohne Schwimmen, wieder aus diesem hinaus. Auch im Wald waren einige Hindernisse nicht mehr vorhanden. Mir graute es schon vor dem Tragen der Kette in dem matschigen Wald. Doch auch auf dieses Hindernis wurde bei der Super-Distanz verzichtet. Stattdessen ging es schon nach ca. 8 Kilometern wieder aus dem Wald hinaus. Leider wieder Richtung Kitzbüheler Horn…

Nochmal auf den Berg

Obwohl auch auf die Flussquerung verzichtet wurde, ging es direkt im Anschluss wieder in den Bachlauf und den Berg hinauf. ich wusste diesmal glücklicherweise was mich erwartet. Trotzdem war ich beim Anstieg deutlich langsamer als am Vortag bei der Beast-Distanz. Diesen Tag war nach der steilen Skipiste der heutige Gipfel bei ca. 1150 Metern erreicht. Nach einer Stärkung ging es wieder Richtung Tal. Hier durfte dann vor der finalen Runde noch einmal durch den Fluss gewandert werden bevor es auf die Ziel-Runde auf dem Festival-Gelände ging. Hier hatte ich nur noch wenig Kraft und durfte beim Rag die letzten 30 Straf-Burpees vom Trifecta Weekend absolvieren. Nach ca. 3:27 Stunden überquerte ich bei der Super-Distanz die Ziellinie. Meine Uhr zeigte knapp 18 Kilometer und über 800 Höhenmeter an – einfach nur ein krasser Abschluss, der alle Läufer noch einmal richtig gefordert hat. Überglücklich empfing ich die Spartan-Super-Medaille! Ich hatte es tatsächlich geschafft – drei Distanzen an zwei Tagen – das Trifecta Weekend in Oberndorf war komplett!

Stolz nach den Läufen! Bild: picmebox

Trifecta Medaille

Noch vor dem Abspülen holte ich mir die hart verdiente Trifecta Medaille ab – das wofür zwei Tage lang hart gekämpft wurde. Insgesamt mussten beim Spartan Race in Oberndorf über 50 Kilometer Strecke und über 80 Hindernisse überwunden werden. Mit dabei waren außerdem noch knapp 2500 Höhenmeter. Das Trifecta Weekend in Oberndorf gehört auf jeden Fall mit zu den verrücktesten Herausforderungen die ich bisher gemacht habe. Ich war insgesamt fast 10 Stunden auf der Strecke, meine Waden und Oberschenkel wurden zersprengt. Trotzdem würde ich die Trifecta Herausforderung jederzeit wieder bestreiten! Die Hilfsbereitschaft auf der Strecke von den anderen Teilnehmern, die gut gelaunten Streckenposten, die tolle Organisation, die sensationellen Medaillen und die hervorragende Verpflegung während und nach dem Rennen – beim Trifecta Weekend hat einfach alles gestimmt. Das Trifecta Weekend ist ausnahmslos zu empfehlen und gehört mit zu den härtesten Herausforderungen, die bei den vielen Hindernisläufen gibt. Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen im nächsten Jahr nicht in Oberndorf an den Start zu gehen…

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Hey! Ich bin Steffen, 28 Jahre und Autor dieses Beitrags. Hier einige Infos zu mir: Ich bin schon seit ich denken kann vom Sport fasziniert. Ich liebe außergewöhnliche Sportarten, die einem körperlich alles abverlangen und an meine Grenzen bringen. So stecke ich meine sportlichen Ziele immer wieder höher! Ich verbringe viel Zeit bei sportlichen Aktivitäten an der frischen Luft und in der Natur – ganz nach dem Motto „es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung“. Ich liebe Hindernis- und Extremläufe. Im Jahr 2016 habe ich meinen ersten Marathon mit Hindernissen und ersten 100 km Marsch gefinisht. Ich fahre auch in meiner Freizeit viel Fahrrad, gehe viel laufen und mache seit knapp zwei Jahren Bodyweight-Training. Ich liebe es mich in der Natur (Berge, Seen) zu bewegen, um neue Orte und landschaftliche Highlights zu entdecken. Die Sommer-Monate verbringe ich meist auf dem Stand Up Paddling Board. Auf dem SUP-Board erkunde ich sportlich Flüsse, Seen und Kanäle rund um Hamburg. Sport ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Hier fülle ich meine Energiereserven wieder auf, finde einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag und entwickle neue Ideen für diese Seite und meine YouTube-Kanal (FitnessBox). Über Kommentare und Nachrichten von euch hier auf der Seite freue ich mich immer sehr!

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