Am 10. Oktober 2015, bei sonnigen 12°C, sollte die Reise von uns ins beschauliche Wulsbüttel bei Bremen gehen. Dort, im Hoope Park, einer Motocross Strecke, fand diesen Herbst zum ersten mal der Lake Run statt. Auf drei unterschiedlichen Distanzen (8, 12 und 20 Kilometer) wurde den Teilnehmern alles abverlangt. Der Lake-Run wurde als “härtester Lauf im Norden” betitelt. Ich darf vorwegnehmen, dass dieser Name definitiv gerechtfertigt ist! Nie zuvor habe ich eine anspruchsvollere Laufstrecke bei einem Hindernislauf gesehen, habe einen Lauf so unterschätzt – obwohl ich dieses Jahr auch beim Tough Mudder und Xletix gestartet bin. Doch fangen wir ganz vorne an…

1Startgebühr und Anmeldung

Wie schon anfangs erwähnt standen drei unterschiedliche Distanzen zur Verfügung. Die Anmeldung war vorab über die Lake-Run Webseite möglich. Aber auch eine Nachmeldung vor Ort konnte noch durchgeführt werden. Das Teilnehmerlimit für den Lake-Run lag bei 3000 Startern. Je nach Lauf-Distanz und Anmeldedatum musste eine unterschiedliche Startgebühr gezahlt werden. Hier aufgelistet nun die maximale Startgebühr beim spät möglichsten Anmeldedatum:

  • 8 km – 35 Euro Startgebühr
  • 12 km – 39 Euro Startgebühr
  • 20 km  – 45 Euro Startgebühr

Es konnte bei der Anmeldung auch ein Lake-Run Shirt für 15 Euro dazu bestellt werden. Ein Vorabversand der Startunterlagen fand nicht statt.

2Anreise, Parkplätze, Check-In

Parkplatz

Wir sind von Hamburg zum Lake-Run angereist. Die Fahrtzeit von Hamburg bis zum Veranstaltungsort [Hoope Park, Wulsbütteler Straße, D-27628 Wulsbüttel] betrug ca. 1:30 Stunde. Bei dem Hoope Park, bei dem der “härteste Lauf im Norden” stattfand, handelt es sich um einen Offroad-Park für Motocross, Fahrrad uvm. Direkt nach der Autobahnabfahrt war der Lake-Run wunderbar mit einem großen Schild ausgeschildert, so dass ein falsches Abbiegen unmöglich war. Auch der dortige Parkplatz, der sehr abenteuerlich war und einer Crosspiste gleichte, war wunderbar ausgeschildert. Der Parkplatz war bei unserem Eintreffen, ca. 40 Minuten vor Start, schon gut gefüllt, so dass wir uns selber etwas Platz schaffen mussten. Vom Parkplatz zum Veranstaltungsgelände waren es ca. 200 Meter.

Check-In / Startunterlagen

Direkt beim Betreten des Veranstaltungsgeländes fielen zwei Zelte ins Auge. Bei diesen war die Abholung der Startunterlagen und die Nachmeldung möglich. Beides war absolut unkompliziert und in wenigen Minuten erledigt. Keine langen Wartezeiten oder Schlangen beim Check-In. Auch eine Abgabe der Sporttaschen war vor Ort möglich.

Mit den Startunterlagen erhielt jeder Starter einen Chip, der mit einem Klettband am Fußgelenk angebracht werden musste und eine Startnummer. Mit diesem Chip wurde die Zeit und die Runden gemessen. Bei vielen großen Hindernisläufen findet gar keine Zeitmessung mehr statt. Das dieses hier noch der Fall ist, finde ich äußerst positiv. Außerdem konnte beim Abholen der Startunterlagen auch direkt das Shirt, wenn vorbestellt, abgeholt werden.

3Veranstaltungsgelände

Das Veranstaltungsgelände war insgesamt sehr übersichtlich gestaltet. Es war eine große Bühne aufgebaut von welcher die Läufer angesagt wurden. Ansonsten war dort ein Club-Haus in welchem Essen und Getränke zu fairen Preisen gekauft werden konnten. Hier gab es auch sanitäre Einrichtungen und Duschen. So war auch ein Umziehen direkt vor Ort möglich.

4Start

Wir wollten es wissen und haben uns für die längste Distanz, die 20 Kilometer, angemeldet. Die Startzeit war hier auf 13:00 Uhr angesetzt. Nur wenige Läufer standen um 13:00 Uhr im Startbereich. Ein gemeinsames Warm-Up gab es nicht. Die Startzeit für die 8 km war um 11 Uhr (bzw. 11:30 Uhr) und für die 12 km um 14:00 Uhr. Pünktlich ging es auf die anspruchsvolle Strecke…

5Strecke

Wir hatten uns vorab nicht genau über die Strecke informiert. Wir hörten nur über den Lautsprecher vor Ort, das eine Runde, die 4 km lang war, schon 22 Hindernisse haben soll. Bei der 20 km Distanz mussten also insgesamt fünf Runden mit insgesamt 110 Hindernissen überwunden werden. Das ist in meinen Augen absoluter Rekord… Umgerechnet sind das ungefähr alle 200 Meter ein Hindernis. Das es hier keine langen Lauf-Abschnitte geben wird, lässt die hohe Hindernis-Dichte ja vermuten. Aus dem Streckenplan (siehe rechts) konnte nur erahnt werden was einen erwartet….

Die 4 km Strecke war zum großen Teil mit Flatterband gekennzeichnet. So ging es hier über Stock und Stein, sandigen Boden, kleinere und größere Teiche. Obwohl das Flatterband anfangs doch sehr unübersichtlich wirkte und teilweise Streckenabschnitte direkt aneinandergrenzten, hatte man sich nach der ersten Runde daran gewöhnt und behielt die Orientierung. Die ganze Strecke spielte sich vom Gefühl auf einem Areal von 500 Metern um den Startbereich ab. Von überall auf der Strecke waren die Durchsagen über die Boxen hörbar. Für Zuschauer ist das komprimierte Areal natürlich absolut von Vorteil, da hier der Läufer hautnah und immer mitverfolgt werden kann.

Hindernisse

Einige Hindernisse konnten vorab auf der Lake-Run Website angesehen werden. Die Hindernisse sahen hier bei weitem nicht so anspruchsvoll aus, wie sie in der Realität waren. Direkt das erste Hindernis, ein eiskalter See, zeigte einem, das dieser Lauf kein Spaziergang werden wird. Es folgten noch weitere kleinere Seen, so dass insgesamt dreimal pro Runde geschwommen werden musste. An einigen Stellen war das Wasser nur knietief. Das Wasser war vom Matsch immer braun gefärbt, so dass hier nicht gesehen werden konnte, wo ein sicherer Tritt ist – eine zusätzliche Herausforderung, die den ein oder anderen Läufer zu einem “Bauchklatscher” gezwungen hat. Die Strecke war übersäht von Hindernissen, die alle sauber von 1-22 durchnummeriert waren. So musste hier geklettert, gekrochen, balanciert und gesprungen werden. Die Hindernisse waren teilweise nur ca. 50 Meter auseinander, so dass der Körper hier unglaublich gefordert wurde.

Die Hindernisse waren insgesamt sehr abwechslungsreich. Hochklettern an Seilen, Balancieren über Container, Wasserrutsche, Strohballen, Sprung über Feuer, Holzwände, ein wackliges Netz das überklettert werden musste, eine lange Passage voll mit tiefem Matsch, Hochkämpfen an matschigen Abhängen uvm. Es war eine richtige Cross-Strecke, die hätte anspruchsvoller nicht sein können.

Neben den ganzen Hindernissen war die Strecke auch sonst sehr anspruchsvoll. Da es sich eigentlich um eine Motocross-Strecke handelt, ging die Strecke hauptsächlich über sandigen Boden und immer wieder auf und ab. Selbst die kleinsten Hügel waren in den letzten beiden Runden eine absolute Qual. Die Strecke war deutlich matschiger und härter, als ich es von anderen Hindernisläufen kannte. Absolut nichts für Anfänger! Die 4 km kamen einem deutlich länger, fast schon endlos, vor.

Wie anspruchsvoll die Strecke war, zeigen auch die Rundenzeiten. Die erste Runde wurde noch in knapp 42 Minuten absolviert. Die fünfte Runde in ca. 75 Minuten. Mein Körper war nach der vierten Runde, und 16 Kilometern, absolut am Ende. Ich hatte schon mit Krämpfen zu kämpfen und fing an zu frieren. Aber Aufgeben ist für mich absolut keine Option – irgendwie musste ich ins Ziel kommen! Hier war der Moderator wirklich motivierend, welcher einen jede Runde erneut ansagte und anfeuerte weiter zu machen. Auch den Streckenposten muss ich an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen. Ihr wart immer für einen Spruch gut und habt unglaublich angefeuert.

Ich habe auf der Strecke eine Action-Kamera mitgenommen und eine komplette Runde (4 km) gefilmt. Dabei sind alle 22 Hindernisse zu sehen.

Strecken-Video (1. Lake-Run)

Ziel

Mit einer Gesamtzeit von knapp 4:17 Std überquerte ich die Ziellinie. Einige Laufen in so einer Zeit einen Marathon. Ich habe mich “nur” durch 20 km des “härtesten Laufs im Norden” gequält. Stau gab es auf der Strecke, wohl auch aufgrund der wenigen Teilnehmer, an keinem Hindernis. Es war fast schon problematisch, wenn sich vor einem wieder die hohe Holzwand oder das Netz aufbaute wo man alleine nicht mal ansatzweise eine Chance hat und keine helfende Hand da ist. Doch auch hier waren die Teilnehmer wirklich absolut klasse, fast wie eine kleine Familie. An jeder Stelle wurde geholfen und gemeinsam gekämpft!

Ich weiß, das viele der harten Strecke nicht gewachsen waren und irgendwann aufgegeben haben. Entweder aufgrund von absoluter Erschöpfung oder Unterkühlung. Nächstes Jahr wird erneut angegriffen und die Strecke bewältigt!

Im Ziel gab es die Finisher Medaille “Medal of Honor” des 1. Lake-Run bei Bremen und ein “Lake-Ruff”. Das Lake-Ruff ist ein Tuch, welches es beim Erreichen des Ziels gibt. Je nachdem wie oft schon an dem Lake-Run teilgenommen wurde, gibt es dieses als “Anerkennung”  und “Beweis” in unterschiedlichen Farben. Eine tolle Idee…

Verpflegung / Duschen

Nach jeder Runde konnte mit Wasser, Müsliriegeln und Bananen verpflegt werden. Hiervon wurde auch spätestens nach der zweiten Runde reichlich Gebrauch gemacht.

Es standen insgesamt einige Duschen für die Teilnehmer zur Verfügung. Da ich nach dem Lauf absolut durchgefroren war, war es schon ein Fest einfach nur in einen halbwegs warmen Raum zu gehen. Die Duschen waren zwar nur “lau-warm”, haben sich aber deutlich wärmer angefühlt. Richtig sauber war ich nach der Dusche zwar nicht, es hat aber für die Rückfahrt gereicht. Zu Hause habe ich mich völlig erschöpft auf eine richtige lange warme Dusche und das Bett gefreut!

6Fazit

Beim Lake-Run kam ich, der absolut nicht unsportlich ist, an meine körperlichen Grenzen. Niemals zuvor war ich so lange am Stück durchgehend am Laufen über Stock und Stein. Der Lake-Run darf sich definitiv der “härteste Lauf im Norden” nennen. Denn was hier von einem verlangt wird, ist echt ein Lauf der absoluten Extreme. Die 20 Kilometerstrecke, mit den fünf Runden, war absolut brutal. Nach dem Erreichen des Ziels gewinnt man hier nicht nur an körperlicher Stärke, sondern kommt auch mental ein ganzes Stück weiter. Wer diesen Lauf geschafft hat, den wirft so schnell nichts mehr aus der Bahn. Nächstes Jahr wird beim Lake-Run erneut gestartet, mit dem Ziel, unter 4 Stunden zu bleiben.

Danke an dieser Stelle an den Veranstalter und das Sponsoring. Der Lake-Run ist absolute Weltklasse! Lasst ihn genau so, wie er dieses Jahr war – hart, brutal und erbarmungslos. Das macht den Lake-Run einzigartig und lässt ihn positiv von den anderen, immer weicher werdenden Hindernisläufen hervorstechen! Endlich mal wieder ein Lauf, bei dem man körperlich an seine Grenzen kommt und nicht so Überlaufen ist! Bis nächstes Jahr!

Du bist ebenfalls beim 1. Lake-Run in Bremen gestartet? Schreibe deine Erfahrungen zum Lauf einfach als Kommentar unter diesen Beitrag und bewerte den Lake-Run! Das Feedback hilft auch dem Veranstalter für die Durchführung des Lake-Runs im nächsten Jahr!

Bewerte diesen Beitrag:
[Total: 5 Average: 1.4]
Meine Gesamtbewertung
Startgebühr
80 %
Anreise, Parkplätze, Check-In
75 %
Strecke
90 %
Hindernisse
80 %
Schwierigkeitsgrad
95 %
Ziel, Verpflegung, Medaille
80 %
Hey! Ich bin Steffen, 28 Jahre und Autor dieses Beitrags. Hier einige Infos zu mir: Ich bin schon seit ich denken kann vom Sport fasziniert. Ich liebe außergewöhnliche Sportarten, die einem körperlich alles abverlangen und an meine Grenzen bringen. So stecke ich meine sportlichen Ziele immer wieder höher! Ich verbringe viel Zeit bei sportlichen Aktivitäten an der frischen Luft und in der Natur – ganz nach dem Motto „es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung“. Ich liebe Hindernis- und Extremläufe. Im Jahr 2016 habe ich meinen ersten Marathon mit Hindernissen und ersten 100 km Marsch gefinisht. Ich fahre auch in meiner Freizeit viel Fahrrad, gehe viel laufen und mache seit knapp zwei Jahren Bodyweight-Training. Ich liebe es mich in der Natur (Berge, Seen) zu bewegen, um neue Orte und landschaftliche Highlights zu entdecken. Die Sommer-Monate verbringe ich meist auf dem Stand Up Paddling Board. Auf dem SUP-Board erkunde ich sportlich Flüsse, Seen und Kanäle rund um Hamburg. Sport ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Hier fülle ich meine Energiereserven wieder auf, finde einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag und entwickle neue Ideen für diese Seite und meine YouTube-Kanal (FitnessBox). Über Kommentare und Nachrichten von euch hier auf der Seite freue ich mich immer sehr!

2 Kommentare

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!

Ich akzeptiere

Please enter your name here