Es klingt verlockend: Ich kaufe mir einen Multikopter, gehe raus, fliege über Seen, Wälder & Wiesen, und mache nebenbei auch gleich noch spektakuläre Foto- und Video-Aufnahmen, die ich dann der Welt im Internet präsentiere. Doch STOP! In Deutschland gibt es Gesetze und Bestimmungen für UAS (unmanned aircraft systems), die vorgeben wie wo und wann mit dem Multikopter geflogen werden darf. Auch ist es in Deutschland Pflicht seinen Kopter zu versichern! Ihr solltet euch vor dem Kauf also ganz genau über die Gesetze Regeln für “Drohnen” in Deutschland informieren. Da ich mich vor dem Kauf der DJI Mavic Pro (DJI Website) selber ausführlich informiert habe, möchte ich euch diese Informationen, die ich über mehrere Stunden zusammengesucht habe, hier für euch zusammenfassend darstellen, so dass ihr euch danach immer noch überlegen könnt, ob ihr wirklich einen Multikopter haben wollt oder nicht. Ich habe alle hier zusammengetragenen Informationen nach bestem Gewissen zusammengestellt, ich bin und bleibe aber ein Laie und gebe keine Garantie für die Richtigkeit der hier zusammengestellten Informationen.

Luftfahrt-Haftpflichtversicherung

Bevor ihr mit eurem Multikopter draußen fliegen könnt, benötigt ihr eine spezielle Luftfahrt-Haftpflichtversicherung (§ 43 LuftVG). Von einer “normalen” Haftplichtversicherung, die ihr eventuell habt, werden Kopter in der Regel nicht erfasst.

Im Luftverkehrsgesetz ist keine Größe oder ein Gewicht des Luftfahrzeugs festgeschrieben. Das heißt, dass wirklich JEDES Luftfahrzeug, auch wenn es nur ein kleines Spielzeug ist, eine Versicherung benötigt.

Luftfahrt-Haftpflichtversicherungen werden von vielen Versicherungen angeboten. Wichtig beim Abschluss ist, ob ihr euren Multikopter privat oder gewerblich (siehe unten) einsetzen wollt und ob Foto- und Videoaufnahmen mit von der Versicherung erfasst werden. Eine Versicherung für Hobby- und Freizeitzwecke ist meist deutlich günstiger, als eine für gewerbliches Fliegen. Ihr solltet darauf achten, das ihr eine Versicherungsumme von mindestens 1,5 Millionen abgedeckt, da es bei einem Unfall mit Personenschäden schnell zu sehr hohen Kosten kommen kann. Ihr seid laut § 33 LuftVG für Schäden durch euer Luftfahrzeug haftbar.

In der Luftfahrt-Haftpflichtversicherung muss die Seriennummer eures Multikopters aufgeführt sein. Außerdem solltet ihr darauf achten, das mehrere Piloten (Steuerer) automatisch mit versichert sind, da ihr sonst nie jemand anderen mit eurem Multikopter fliegen lassen könnt.

In der gewerblichen Versicherung sind meist die privaten Flüge ebenfalls mit versichert. Auch besteht die Möglichkeit, wenn ihr in einem Modellflieger-Verband oder Verein Mitglied seid, sich über diesen versichern zu lassen. Weitere Informationen dazu erhaltet ihr von eurem Modellflieger-Verband. Zudem seid ihr, laut §106 LuftVZO, verpflichtet eine Bestätigung über eure bestehende Haftpflichtversicherung mitzuführen und auf Verlangen auch einen Nachweis über die letzte Zahlung und den Versicherungsschein vorweisen zu können.

Zusammenfassung

  • Luftfahrt-Haftpflichtversicherung ist Pflicht! 
    • private oder gewerbliche Nutzung?
    • Sind mehrere Kopter versichert?
    • Deckungssumme mind. 1,5 Millionen?
    • Seriennummer & Gewicht vom Multikopter
    • mehrere Kopter-Piloten?
    • Nachweis über bestehende Haftpflichtversicherung ist mitzuführen

Sport- und Freizeitgestaltung oder Gewerbe

Solltet ihr euren Multikopter nur zur Sport- und Freizeitgestaltung verwenden, handelt es sich laut Gesetz um ein “Flugmodell“. Ein “unbemanntes Luftfahrtsystem” wird es, so bald es in Richtung von gewerblichen Zwecken geht. Sobald du die gemachten Bilder oder Videos veröffentlichen oder verkaufen willst, fliegst du schon gewerblich! Selbst, wenn du einfach nur beispielsweise für eine Sportveranstaltung unentgeltlich Aufnahmen machen willst, fällt der Flug schon unter die unbemannten Luftfahrtssysteme. Das heißt dein Multikopter fällt jetzt unter den Begriff der UAS (siehe oben). Egal ob Flugmodell oder UAS, beide gelten nach §1 LuftVG als Luftfahrzeuge. Für Luftfahrzeuge gibt es in Deutschland eine ganze Reihe von Vorgaben und Gesetzen, die jeder Multikopter-Pilot, egal ob hobbymäßig oder gewerblich, kennen sollte:

  • Zu Flugplätzen jeder Art (egal ob Großflughafen oder Segelflugplatz) ist von der Begrenzung ein Mindestabstand von 1,5 Kilometern einzuhalten
  • beachtet unbedingt die Luftraumbeschränkungszonen (siehe unten) in eurer Umgebung: Gerade um Städte und Flughäfen gibt es meist Beschränkungszonen. Ihr solltet euch vorab auf ICAO-Karte über den Luftraum informieren, in welchem ihr fliegen wollt
  • Der Luftraum ist ständig im Auge zu behalten und dem bemanntem Flugverkehr ist immer auszuweichen (Landung oder Verringerung der Flughöhe)
  • Fliegen nur in direkter Sichtweite des Steuerers! Es mag verlockend klingen mit dem Multikopter, einfach weil er es kann, kilometerweit zu fliegen und tolle Aufnahmen zu machen – es ist in Deutschland verboten!
  • Fliegen über Menschenansammlungen, militärischen Objekten, Krankenhäusern, Katastrophengebieten, Kraftwerken und Justizvollzuganstalten ist verboten
  • Fliegen unter Drogen- oder Alkoholeinfluss ist verboten
  • Starts- und Landungen bedürfen IMMER der Zustimmung des jeweiligen Grundstückseigentümers (Überfliegen anderer Grundstücke wird geduldet)

Für Flugmodelle zur Sport- oder Freizeitgestaltung gilt ein Maximalgewicht von 5 kg. Die meisten Multikopter fallen unter diese Grenze. Der DJI Mavic Pro hat beispielsweise nur ein Gewicht von ca. 0,8 kg, so dass diese Regelung für diesen eher uninteressant ist. Sollte eurer Multikopter dennoch mal mehr als 5 kg wiegen, gilt er automatisch als UAS. Unbemannte Luftfahrzeuge dürfen maximal 25 kg wiegen.

Achtung: Solltet ihr mit eurem DJI Mavic, auch wenn dieser unter 5 kg wiegt, gewerblich unterwegs sein, gilt dieser automatisch als UAS. Für die unbemannten Luftfahrzeuge gibt es noch weitere Vorschriften und Gesetze zu beachten!

Luftraumzonen

Auf der ganzen Welt gibt es Luftraumzonen, die von A bis G abgestuft sind. Diese Zonen bestimmen wie hoch du mit deinem Multikopter fliegen darfst. Ich empfehle dir in jedem Gebiet wo du fliegen willst eine ICAO-Karte zur Hand zu nehmen und genau zu schauen in was für einer Luftraumzone du dich befindest. Du darfst mit deinem Multikopter ohne Genehmigung und Erlebnis nur im unkontrollierten Luftraum (bis 762 m) fliegen. Alles darüber ist der kontrollierte Luftraum, der von richtigen Flugzeugen genutzt wird. Der kontrollierte Luftraum wird in der Regel rund um Flughäfen abgesenkt, so dass ihr r nicht mehr so hoch fliegen dürft. Teilweise dürft ihr auch großräumig um Flughäfen teilweise schon nur noch bis max. 300 Meter Höhe fliegen. Ihr könnt dieses sehr genau auf den ICAO-Karten sehen. Der Bereich rund um Flughäfen wird mit 1,5 Kilometern als Flugverbotszone (Zone D) ausgeschrieben. Hier dürft ihr maximal bis 30 Meter Höhe fliegen. Ihr findet die Kontrollzonen rund um internationale Flughäfen auf der Website der Deutschen Flugsicherung.

Aufstiegserlaubnis

Unter bestimmten Voraussetzungen benötigt ihr für das Fliegen mit eurem Multikopter eine Aufstiegserlaubnis (AE). Wann ihr eine AE benötigt ist im § 20 LuftVO geregelt. Ich habe die für euch, wenn ich einen Multikopter mit elektronischem Antrieb annehme, relevanten Punkte einmal kurz zusammengefasst. Hier heißt es, dass ihr eine gesonderte Erlaubnis benötigt, wenn

  • euer Flugmodell mehr als 5 kg wiegt
  • ihr bei einer Entfernung von weniger als 1,5 kg von der Begrenzung von Flugplätzen fliegt
  • ihr ein unbemanntes Luftfahrtsystem steigen lasst

Insbesondere bei dem letzten Punkt  mit den “unbemannten Luftfahrtsystemen” verweise ich gerne wieder auf das zweite von mir angesprochene Thema zur Sport- oder Freizeitgestaltung. Heißt im Klartext:

Sobald ihr nicht zu Sport- oder Freizeitzwecken mit eurem Multikopter fliegt, benötigt ihr IMMER eine Aufstiegserlaubnis!

Aufstiegserlaubnis beantragen

Ihr könnt eine Aufstiegserlaubnis (AE) bei der für zuständigen Landesbehörde beantragen. In der Regel gilt eine Aufstiegserlaubnis nur für ein bestimmtes Bundesland und kostet zwischen 100 und 250 Euro (für 1-2 Jahre, je nach Bundesland). An die Aufstiegserlaubnis sind in der Regel weitere Nebenbestimmungen gebunden. Unter anderem, das ihr die zuständigen Sicherheitsbehörden über Ort und Zeit zu informieren habt oder das ihr maximal 100 Meter hoch fliegen dürft.

Es gibt in einigen Bundesländern, wie beispielsweise in Hamburg, gar keine Möglichkeit eine pauschale AE für ein Jahr zu bekommen. Hier müsst ihr, für jedes Fliegen mit einem UAS, immer eine Einzelgenehmigung einholen (ca. 70-100 Euro). Um eine Aufstiegserlaubnis zu erhalten müsst ihr in der Regel mit den ganzen Unterlagen einen Nachweis über das sichere Steuern und Beherrschen eures Multikopters mit einreichen. Wie genau eine solche Bescheinigung auszusehen hat ist allerdings gesetzlich noch nicht geregelt. Es gibt sehr teure Kopter-Schulungen (ca. 250-500 Euro) bei welchen ihr ein Zertifikat über den sicheren Umgang erhaltet. Diese Schulungen machen sicherlich für den Ein- oder Anderen Sinn, sind aber nicht zwingend erforderlich um eine Aufstiegserlaubnis von der Landesbehörde genehmigt zu bekommen. Hier reicht in der Regel auch der Nachweis über ausreichend Flugstunden (genaue Dokumentation) und ein Flugkundenachweis, welchen ihr bei dem örtlichen Modellfliegerverein für ca. 50 Euro bekommen könnt. Für diesen müsst ihr dort den sicheren Umgang mit eurem Multikopter (auch ohne GPS) vorführen.

Privatsphäre

Eigentlich ein Punkt, den ich persönlich als selbstverständlich betrachte, ihn dennoch an dieser Stelle noch einmal kurz anspreche. Ihr müsst beim Fliegen immer die datenschutzrechtlichen Bestimmungen beachten! Ihr dürft beim Fliegen nicht in de Bereich der privaten Lebensgestaltung von Dritten eindringen. Das heißt, wenn ihr mit eurem Multikopter über den Garten eures Nachbarn fliegt um zu schauen, ob er auch die Blumen gegossen hat, greift dieses in seine Privatsphäre ein. Ihr solltet zudem bei Film- und Fotoaufnahmen immer auf Urheberrechte und Personlichkeitsrechte achten. Porträtaufnahmen von fremden Personen sind in der Regel nicht erlaubt! Anders sieht es hingegen aus, wenn sie nicht Mittelpunkt und Hauptaugenmerk des Bildes darstellen und nur “Beiwerk” zur schönen Landschaftsaufnahme sind.

Für weitere ausführliche Informationen, auch zu aktuellen Veranstaltungen rund um das Thema “Drohnen” und Flugmodelle empfehle ich euch die Seite der Deutschen Flugsicherung, von welcher ich auch einen Großteil der hier zusammengestellten Informationen habe. Solltet ihr Fehler entdecken oder sonst noch Fragen haben könnt ihr mir einfach eine E-Mail schreiben.

Quellen: 
Gesetze im Internet - http://www.gesetze-im-internet.de/
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH - http://www.dfs.de
Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur - http://www.bmwi.de
Kopterforum - http://www.kopterforum.de/
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Hey! Ich bin Steffen, 28 Jahre und Autor dieses Beitrags. Hier einige Infos zu mir: Ich bin schon seit ich denken kann vom Sport fasziniert. Ich liebe außergewöhnliche Sportarten, die einem körperlich alles abverlangen und an meine Grenzen bringen. So stecke ich meine sportlichen Ziele immer wieder höher! Ich verbringe viel Zeit bei sportlichen Aktivitäten an der frischen Luft und in der Natur – ganz nach dem Motto „es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung“. Ich liebe Hindernis- und Extremläufe. Im Jahr 2016 habe ich meinen ersten Marathon mit Hindernissen und ersten 100 km Marsch gefinisht. Ich fahre auch in meiner Freizeit viel Fahrrad, gehe viel laufen und mache seit knapp zwei Jahren Bodyweight-Training. Ich liebe es mich in der Natur (Berge, Seen) zu bewegen, um neue Orte und landschaftliche Highlights zu entdecken. Die Sommer-Monate verbringe ich meist auf dem Stand Up Paddling Board. Auf dem SUP-Board erkunde ich sportlich Flüsse, Seen und Kanäle rund um Hamburg. Sport ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Hier fülle ich meine Energiereserven wieder auf, finde einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag und entwickle neue Ideen für diese Seite und meine YouTube-Kanal (FitnessBox). Über Kommentare und Nachrichten von euch hier auf der Seite freue ich mich immer sehr!

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