Auf die Füße, fertig, los…!

Da wir ja immer wieder nach neuen Herausforderungen suchen und für wirklich alles offen sind, wollten wir mal versuchen in 24 Stunden 100km zu gehen. Das Ganze sollte vom 14.-15.Mai 2016 in Berlin stattfinden. Natürlich waren wir nicht die Einzigen die auf diese Idee kamen… Mit uns sind noch rund 2500 andere Verrückte beim Mammutmarsch gestartet. Im Voraus wurden wir von den Veranstaltern regelmäßig mit Informationen zum Ablauf des Marsches und wichtigen Tipps versorgt. Es gab auch eine geschlossene Gruppe bei Facebook wo alle Teilnehmer fleißig Tipps ausgetauscht und etwas Panik verbreitet haben. Ich habe mich von dem Ganzen nicht anstecken lassen und alles gekonnt ignoriert. Die Folge war, dass ich ziemlich unvorbereitet und doch leicht panisch einen Tag vor dem Mammutmarsch meinen Rucksack packen musste und die halbe Nacht wach im Bett lag und ziemlich aufgeregt war.

Mammutmarsch 2016005Samstagmorgen um 6:30 Uhr klingelte dann der Wecker und nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir die letzten Sachen in unseren Rucksack gepackt. Steffen und ich sind dann mit dem Fahrrad zur Bahn gefahren und haben am Hauptbahnhof die liebe Sabrina eingesammelt. Zu dritt wollten wir die 100km schaffen. Die Fahrt nach Berlin verging wie im Fluge da wir die ganze Zeit nur über den Lauf quatschten. Es stellte sich heraus, dass wir doch ein richtig gutes Team bildeten. Steffen war, was das ganze elektronische Zeug betrifft bestens ausgestattet. Unser Abenteuer konnte dokumentiert werden und mit der Garmin Vivoactive VR und der Garmin Forerunner 235 würden wir immer den genauen Kilometerstand, Geschwindigkeit und Uhrzeit wissen. Sabrina hat sich bestens über so eine extreme Wanderung bei gefühlten 100 Menschen informiert und kannte jeden Trick und alle Tipps für jede Notsituation. Ich sollte dafür zuständig sein, bei Verletzungen erste Hilfe zu leisten und meine Truppe mit Tapes zu versorgen. Uns konnte also nichts mehr passieren!

Mammutmarsch 2016001Als wir endlich am Startpunkt ankamen, hatten wir noch drei Stunden Zeit uns zu erholen und Sonne zu tanken. Um 16:15 ging es dann endlich los!!! Wir wären viel lieber schon früher gestartet aber die erste Startgruppe lief mit ca. 200 Menschen um 15:45  los. Wir hatten Glück noch in eine der früheren Startgruppen starten zu können. Mit guter Laune ging der Weg durch ein kleines Dorf und weiter an einem großen See – der große Müggelsee. Die Landschaft war wirklich wunderschön und mit der genauen Wegbeschreibung und den vielen anderen Mammuts konnten wir uns gar nicht verlaufen.

Mammutmarsch 2016007Der erste Verpflegungspunkt kam nach 16km und lag direkt am See. Der Veranstalter hatte Bananen, Salzstangen, Milchbrötchen, Müsliriegel und kaltes Wasser zu Verfügung gestellt. Hier hätte ich mir wirklich ein warmes Getränk gewünscht! Nachdem die ersten Blasen versorgt wurden, ging es dann auch schon gleich weiter. Wir hatten die ganze Zeit ein ziemlich zügiges Tempo von ca. 5,6 km/h im Durchschnitt. Irgendwann kam dann die Dunkelheit und unsere Schmerzen wurden langsam unerträglich. Sabrinas Knie (typische Symptome eines Läuferknies), Steffens Oberschenkel und meine Hüftgelenke zwangen uns immer wieder zu kleineren Pausen und wir mussten unser Tempo immer weiter drosseln. Bei Kilometer 33 machten wir dann eine etwas längere Pause (15min) die uns völlig aus dem Tritt brachte. Danach ging gefühlt kaum noch was. Es wurde so schlimm, dass Sabrina bei Kilometer 37 leider abbrechen und mit der Bahn zum nächsten Verpflegungspunkt (44km) fahren musste um dort abgeholt zu werden. Steffen und ich sind ab da alleine weiter. Durch Felder und Wälder mussten wir uns teilweise gegenseitig stützen… Alleine wäre ich wahrscheinlich keinen Meter weiter gekommen. Kurz vor dem nächsten Verpflegungspunkt (44km) hatten wir uns dann auch noch Verlaufen. Zum Glück wussten die anderen Wanderer bescheid und führten uns zurück auf den Richtigen Weg. Zu dem Zeitpunkt ging es mir gar nicht mehr gut. Mir war leicht Übel und ich hatte mit leichtem Schwindel zu kämpfen. Ich hatte einfach zu lange nichts mehr gegessen und auch das Wasser wurde knapp. Mit Müh und Not haben wir die letzten Kilometer dann doch noch geschafft und ich musste mich erstmal ein paar Minuten auf dem Boden ausruhen. Steffen wollte unbedingt noch weiter gehen und ich mochte irgendwie nicht alleine zurückbleiben. Wir wollten die 100km doch gemeinsam schaffen!? Ich habe es also irgendwie geschafft mich wieder vom Boden hochzukratzen und prophylaktisch schonmal 3 Riegel, Nüsse und Bananen in die Jackentasche zu stecken. Die nächsten 15km bis zum nächsten Verpflegungspunkt (59km) wollte ich unbedingt noch schaffen. Ich weiß dass das sehr unvernünftig war und ich eigentlich auf meinen Körper hätte hören sollen. Ich wollte und konnte zu dem Zeitpunkt aber noch nicht aufgeben. Mit Steffen an der Hand ging es also weiter durch einen einsamen Wald, eine kleine verlassene Stadt und immer weiter gerade aus. Man traf immer seltener auf andere Wanderer und man musste immer wieder auf die Wegbeschreibung gucken. Mir ging es wieder richtig gut und wir kamen wieder echt zügig voran. Ich war richtig stolz auf meinen Körper und auch darauf, das ich nicht aufgegeben hatte.

Mammutmarsch 2016004Als es langsam wieder hell wurde, bekamen wir von anderen Mammuts zu hören das der Mammutmarsch 2016 abgebrochen wurde. Zu viele hatten Kreislaufzusammenbrüche und konnten von den Rettungskräften nicht mehr versorgt werden. Im Nachhinein kam auch heraus, das wohl Rettungskräfte an vorgesehenen Posten fehlten und die Veranstalter es einfach für richtig und notwendig empfanden den Lauf abzubrechen. Wir waren darüber gar nicht so traurig, da wir wahrscheinlich eh nicht weiter als 59km gekommen wären. Unsere Füße brannten, die Blasen scheuerten und meine Hüftgelenke schmerzten wie hulle. Die letzten 2km zogen sich endlos in die Länge… Endlich, nach 13 Stunden und 30 Minuten, am Verpflegungspunkt (59km) angekommen, gönnten wir uns als Erstes eine heiße und scharfe Tomatensuppe. Diese musste leider extra bezahlt werden und war zugegebener Maßen auch nicht wirklich lecker. Das war uns aber zu diesem Zeitpunkt alles egal. Wir holten uns noch eine Urkunde und dann fuhren wir mit dem Shuttlebus zum nächsten Bahnhof. Mit, ich glaube mehreren Bahnen, fuhren wir zum Berliner Hauptbahnhof und gönnten uns einen Bürger. Steffen hatte sich zum Glück um neue Tickets für die Rückfahrt gekümmert – eigentlich wollten wir ja bis 16 Uhr wandern und dann um 17 Uhr die Bahn nehmen.

Mammutmarsch 2016003Endlich in Hamburg angekommen mussten wir noch eine weitere S-Bahn nehmen und dann noch mit dem Fahrrad wieder nach Hause fahren. Davor hatte ich wirklich Panik! Ich konnte kaum noch gehen… Wie zur Hölle sollte ich noch Fahrrad fahren? Das schlimmste war aber aufs Fahrrad aufzusteigen. Das Fahren selber ging ohne Probleme – sogar die Berge waren kein Problem. Dann mussten nur noch 3 Stockwerke bewältigt werden und wir waren zu Hause. Die nächste Herausforderung war mich auszuziehen und in die Dusche zu kommen. Mein rechtes Bein konnte ich nicht mehr aktiv anheben, sodass ich mich mit der einen Hand an der Badewanne abstützen und der anderen Hand mein Bein über den Rand heben musste. Der restliche Tag wurde schlafend auf dem Sofa verbracht.

Der Tag danach – Schmerz vergeht, der Stolz bleibt:

Ich hatte das große Los gezogen am Pfingstmontag arbeiten zu dürfen. Nachdem ich Sonntagabend in ein weitere tiefes Koma gefallen bin, klingelte am nächsten Morgen um 5:30 der Wecker und ich quälte mich aus dem Bett. Nach einem kurzen Frühstück stand ich vor meinen Schuhen… Ich entschied mich für leider viel zu enge Sneakers, die das Gehen zu einer Tortour machten. Die drei Stockwerke schlich ich im Schneckentempo herunter und dann ging es mit dem Fahrrad wieder 5km die Berge hoch und runter. Leider habe ich einen recht aktiven Job in der Klinik und muss als Physiotherapeutin schwer kranke und betroffene Menschen motivieren, mobilisieren und bewegen. Das geht natürlich am besten wenn man sich selber kaum bewegen kann. Nicht. Am Ende des Tages hatte ich überraschenderweise viel weniger Schmerzen und ich konnte locker flockig, diesmal mit Flip Flops wieder nach Hause fahren. Das Schlimmste waren jetzt nur noch die Blasen und die Müdigkeit. Ich fühlte mich wie nach einem Wochenende Feierei. Mein bester Freund: Das Sofa.

Direkt nach dem Mammutmarsch war ich noch fest davon überzeugt, nie wieder so lange freiwillig zu gehen. Das ist doch einfach nur verrückt… Ein paar Tage später, alle Wunden sind verheilt, habe ich mich aber schon für den nächsten Lauf angemeldet! Die 100km müssen doch zu schaffen sein, oder nicht? Der nächste Marsch wird im September an der Ostsee stattfinden – Dein Ostseeweg! Diesmal aber Vorbereitet und mit richtigen Wanderschuhen! Also Leute, wir sehen uns im September! 🙂

Steffen, unser Kameramann, hat ein richtig tolles und authentisches Video von dem Mammutmarsch zusammengebastelt, welches Ihr euch gerne hier anschauen könnt. Es lohnt sich 😉

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Ich heiße Franzi, bin 26 Jahre jung und probiere immer wieder gerne neue Sportarten aus. Ich bin Pilates-, Body Burn- und Nordic Walking-Trainerin und zudem gelernte Physiotherapeutin. Man findet mich des öfteren auf dem Fahrrad, in Sportkursen wie zum Beispiel Bodyfit, Kraftfitt oder BBRP..., draußen beim Bodyweight Training oder ich versuche auf dem SUP-Board mein Gleichgewicht zu halten. Ich brauche den Sport und den täglichen Kampf mit dem Schweinehund um mich vom stressigen und körperlich anstrengenden Arbeitsalltag zu erholen.

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