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Mud Masters Weeze 2016 – Erfahrungsbericht

Jetzt, zwei Tage nach dem Mud Masters Obstacle Run 2016 in Weeze, fange ich langsam an zu realisieren was mein Körper an diesem Tag geleistet hat. Der Zieleinlauf nach 42 Kilometern war einfach ein unglaubliches Gefühl, welches mir auch jetzt noch das Herz höher schlagen lässt: Die jubelnden Zuschauer im Ziel, die in ihren Gesichtern eine Mischung aus Respekt und “der ist doch verrückt” erkennen lassen, die Moderatoren die einem nach dem Lauf das Mikrofon vors Gesicht halten und wissen wollen wie es einem ergangen ist und welches das härteste Hindernis war, die Überreichung des Finisher-Shirts und der Medaille, welche die Läufer der anderen Distanzen voller Neid mustern, der Blick auf meine komplett verschmutze Kleidung und meinen erschöpft aussehenden Körper lässt nur im Ansatz die Tortoren der letzten 7 Stunden erahnen – ICH HABE ES GESCHAFFT! Mein erster Marathon mit Hindernissen liegt hinter mir! Das Gefühl ist einfach unbeschreiblich und auch heute kann ich es immer noch nicht ganz glauben, das ich wirklich einen Marathon mit über 130 Hindernissen absolviert habe. Doch fangen wir ganz am Anfang, einen Tag vor diesem Event der Superlative an.

Da wir aus Hamburg bis zum Airport Weeze anreisen mussten, haben wir uns schon am Freitag auf den Weg Richtung Nordrhein-Westfalen gemacht. Nach ca. 4:30 Stunden Fahrt mit Stau kamen wir im Hotel an. Ich wollte das Eventgelände von Mud Masters Weeze schon an diesem Tag ein bisschen begutachten, damit ich mich am Event-Tag besser und schneller zurechtfinde. So fuhren wir in den späten Nachmittagsstunden schon Richtung Eventgelände. “The Flyer”, eine ca. 10 Meter hohe Wasserrutsche, ragte schon vom Parkplatz aus gut sichtbar inmitten einer hügeligen Sandgrube in die Höhe.

Wow, was für ein geiles Hindernis!

Dieses war mein erster Gedanke beim Blick auf die Rutsche und die Landschaft drumherum, die eine Mischung aus Wald, Wiese und sandigem wüstenartigen Boden war. Die schwüle Nachmittagshitze unterstütze den Blick auf die karge Landschaft noch zusätzlich.

Mud Masters Weeze 2016 - Erfahrungen Marathon 42km002

Beim Weg vom Parkplatz zum Gelände erblickte ich weitere Hindernisse, die meine ohnehin schon aufgeregte Stimmung noch unterstützten. Das Gelände wirkte aber unglaublich gut strukturiert, so dass ich mir dort auch locker die 12.000 Starter, welche alleine am Samstag bei Mud Masters starten, vorstellen konnte. Wir machten einige Fotos und schauten noch einen weiteren Streckenteil an, der eine echte Hügellandschaft war.

Mud Masters Weeze 2016 - Erfahrungen Marathon 42km005

Wir konnten die einzelnen Streckenabschnitte noch nicht ganz der Strecken-Karte zuordnen. Franzi, die mich das ganze Wochenende begleitete, überlegte sich schon einen genauen Plan, wann sie mich wo unterstützen wollte. Na dann kann ja gar nichts mehr schief gehen! Für diesen Tag waren definitiv genug Eindrücke gesammelt: GEIL GEIL GEIL!

Voller Vorfreude auf den nächsten Tag fuhren wir nach Weeze, um uns den Bauch voll zu schlagen. Danach ging es früh ins Bett!

Endlich war er da! Der große Tag. Wochen, Monate hatte ich auf diesen Tag hingefiebert, hatte hart trainiert, hatte Rückschläge und kleinere Verletzungen. Doch das war jetzt alles vergessen – heute sollte ich meinen ersten Marathon mit Hindernissen laufen. Nach einem ausgiebigen Frühstück um 7 Uhr morgens fuhren wir erneut Richtung Eventgelände. Als wir den Parkplatz um kurz nach 8 mit einer ganzen Reihe von weiteren Teilnehmern befuhren, schlug mein Herz schon höher!

Nur noch 1,5 Stunden bis zum Start… Der Weg vom Parkplatz zum Eventgelände schien vertraut, was mir ein Gefühl von Sicherheit inmitten der ganzen Aufregung gab. Der Check-In, welcher die Abholung einer “Fußfessel” und einer orangen Weste bedeutete, war in wenigen Sekunden erledigt. Kurz zu den Westen: Die Marathon-Läufer erhielten diesen Tag eine orange, die Teilnehmer der Alpha (18 km) Startgruppe eine grüne Weste. Die Teilnehmer der anderen, späteren Startgruppen wurden darauf hingewiesen, das sie die Westen-Träger bei den Hindernissen vorzulassen haben, da hier eine Zeitmessung stattfindet. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch Zweifel daran, das dieses auch später auf der Strecke so funktionieren würde. Kurz nach 9 Uhr. Ich überprüfte ein letztes Mal den Sitz der Schuhe, der Hose, der Fußfessel und der Weste und machte mich hinter dem Startbereich etwas warm.

Beim Blick über das Gelände sah ich zwar schon einige Teilnehmer mit einer orangen Weste. Dennoch waren diese weitaus weniger vertreten, als ich vermutet hatte. Ich wusste, das ich den Mud Masters Marathon nicht alleine schaffen kann! Noch 10 Minuten bis zum Start. Langsam fanden sich die 9:30 Uhr Startgruppen im Startbereich ein. Nach einem kurzen Sicherheits-Check, ein bisschen Gehüpfe und Geklatsche fiel um 9:35 Uhr der Startschuss!

Dass der Mud Masters Obstacle Run zu den wirklich anstrengenden gehört, machte sich schon auf den ersten Kilometern bemerkbar. Die Strecke führte rauf und runter, über verschiedene Untergründe und über anspruchsvolle Hindernisse. Ich lief zum Glück in einem moderaten Tempo los und lies mich nicht von der Masse anstecken, die ein ordentliches Tempo vorlegte. So achtete ich besonders am Anfang immer darauf mich ungefähr an die anderen orangen Westen zu halten. Die ersten Hindernisse und Kilometer vergingen wie im Fluge. Die hohe Qualität der Hindernisse wurde hier schon mehr als deutlich. Mehr und mehr wurde mir klar, das ich spätestens ab Runde 2 auf die Hilfe der anderen Teilnehmer angewiesen bin, da die Hindernisse wirklich anspruchsvoll und alleine nur schwer machbar waren. Glücklicherweise fand ich nach ca. 6-7 Kilometern einen weiteren Teilnehmer, Tobi, mit welchem ich mich ab jetzt über die Strecke kämpfen konnte. Gemeinsam liefen wir in einem guten Tempo weiter und überquerten ein Highlight-Hindernis nach dem nächsten. Das das Tragen der Sandsäcke und Baumstümpfe ab Runde zwei kein Spaß mehr werden wird, war uns nun schon klar. Ich war von der Vielfalt, gerade was die Untergründe betrifft, wirklich begeistert. Waldboden, tiefer Sand, Feldweg… irgendwie gab es hier wirklich alles!

Plötzlich war es so weit. Das Hindernis “Execution” (Splash Jump) baute sich vor uns auf. Warum ich dieses Hindernis an dieser Stelle erwähne? Dieses Hindernis war definitiv mein persönliches Highlight!

Mud Masters Weeze 2016 - Erfahrungen Marathon 42km015

Das Hindernis besteht aus einer ca. 5 Meter hohen Gerüstkonstruktion mit einer Plattform. Hier darf sich der Teilnehmer schließlich auf einer “Falltür” positionieren. Nach einem Countdown wird die Falltür geöffnet und es geht fünf Meter tief ins kalte Wasser der Sandgrube. 

Obwohl die Volunteers bei diesem Hindernis von drei herunterzählten, war es doch irgendwie erschreckend, als einem der Boden unter den Füßen wegklappte.

Im freien Fall ging es fünf Meter tief ins Wasser!

Mud Masters Weeze 2016 - Erfahrungen Marathon 42km016

Völlig geflasht und mit einem Adrenalinschub ging es weiter über die Strecke. Die Verpflegungspunkte, welche einen mit Wasser und Bananen versorgten, kamen meist genau zum richtigen Zeitpunkt. Das Wetter war diesen Tag irgendwie, wenn auch vielleicht stellenweise etwas zu warm, perfekt für einen Mud Masters Lauf! Sonne, Sonne, hin und wieder ein bisschen Wind, welcher die nasse Sportkleidung wie im Flug trocknen ließ. Nach 16 absolvierten Kilometern ging es mir noch überraschend gut. Meine Hände und Knie hatten allerdings schon einige Schürfwunden vom Kriechen. Auch das viele Hangeln an Seilen, Metallträgern und Holzkonstruktionen war nicht gerade förderlich für die Hände. So schmerzten schon bei der ersten Runde “Monkey Bars” ordentlich die Handflächen. Hier soll ich noch zweimal rüber hangeln? Der Abkühlung, welche es bei “The Flyer” gab wurde entgegen gefiebert. Beim Eintauchen in das matschige Wasser wurde mir klar: Ich habe bald die ersten 18 Kilometer geschafft!

Nach dem Passieren des Finisher-Bereichs gab es erstmal eine ausgiebige Stärkung an der dortigen Verpflegungsstation, so dass es weiter in die erste von zwei 12 km Runden gehen konnte. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich gut drauf und wusste, dass es zwar hart werden würde, ich es aber schaffen kann!

Was mich ab der zweiten Runde wirklich begeistert hat, waren die anderen Teilnehmer auf der Strecke. Diese haben uns, sobald sie die orangen Westen erblickt hatten, an den Hindernissen Platz gemacht und uns bejubelt und unterstützt! Gerade jetzt, wo es mit den ersten Schmerzen losging, war das wirklich ein toller Motivationsschub!

Enttäuscht war ich lediglich von einigen der anderen Marathon-Teilnehmern, welche schon ab Kilometer 20 die ersten Hindernisse einfach ausließen und an diesen vorbei liefen.

Wollt ihr nicht am Ende sagen, das ihr einen Marathon mit Hindernissen absolviert habt?!

Das Auslassen oder Passieren irgendwelcher Hindernisse kam für uns nicht in Frage. Wir wollten wirklich jedes Hindernis mitnehmen (auch wenn wir Hilfe der anderen Mud Masters Teilnehmer brauchen).

Ich wusste leider nicht genau an welcher Stelle sich die 18 km Runde von der 12 km Runde unterscheidet und ich anders abbiegen muss. Die Ausschilderung war inmitten der Massen nur schwer ausmachbar. So fragte ich, wenn ich Zweifel hatte, die Streckenposten, ob ich noch auf dem richtigen Streckenabschnitt bin. Als meine Garmin Vivoactive knapp 30 Kilometer anzeigte, war vom Start-Ziel-Bereich noch nichts in Sicht. Hatte uns der kleine Streckenposten Junge etwa wirklich in die zweite 18 km Runde geschickt? Als wir keine anderen Marathon-Läufer mehr sahen und die Kilometer der Uhr stiegen und stiegen hatten wir es realisiert: Wir wurden tatsächlich, obwohl wir nachgefragt hatten, auf den falschen Streckenabschnitt geschickt. Dieses bestätigten uns auch andere Marathon-Läufer, welche ab Kilometer 31 wie aus dem Nichts wieder auf der Strecke auftauchten. Mein Körper fühlte sich auch eher wie nach 31 und nicht wie nach 26 Kilometer an. Mir war zu diesem Zeitpunkt klar: Nach 36 gelaufenen Kilometern werde ich nicht noch einmal die 12 km Runde laufen! Die Hindernisse fielen zunehmend schwerer. Bei einigen kam ich nur noch mit Hilfe der anderen Teilnehmer hoch. Das ist Teamwork! Ich ärgerte mich über den Streckenposten, der an so einem wichtigen Punkt die falschen Auskünfte gegeben hatte und uns auf eine 6 km längere Strecke geschickt hatte. Als wir nach ca. 36 Kilometern (eigentlich nach 30 km) wieder den Start-Ziel-Bereich passierten, schmerzte mein Knie einfach höllisch. Alleine hätte ich an dieser Stelle sicherlich nicht weiter gemacht… Doch ich hatte den Lauf gemeinsam mit Tobi bis zu diesem Punkt durchgezogen! Uns wurde bestätigt, das wir, da wir schon zweimal die 18 km Runde gemacht hatten, jetzt die 6 km Runde laufen dürften.

Die 6 Kilometer schaffen wir jetzt auch noch!

Jeder Versuch, wieder richtig los zu laufen, endete allerdings in wirklich unglaublichen Schmerzen, weshalb wir uns entschieden die letzten Kilometer einfach schnell zu gehen. Als besonders schlimm stellten sich die Kriech-Hindernisse heraus, welche mit den aufgeschürften Knien und Händen zu einer endlosen Qual wurden.

So schlurften wir gemeinsam über den 6-km Abschnitt und zeigten den anderen Teilnehmern auf der Strecke, wie auch nach über 38 Kilometern noch die Hindernisse genommen werden müssen. Als ich das letzte mal erfolgreich, ohne ins Wasser zu fallen, die Monkey Bars absolvierte, wurde mir klar: Du bist gleich im Ziel!! Die ersten Zuschauer beglückwünschten mich jetzt schon zur Leistung. Ein letztes Mal erklomm ich die Gerüstkonstruktion von “The Flyer”. Beim Eintauchen ins das kühle Wasser realisierte ich es: Das Ziel ist direkt hinter diesem Hügel.

Mud Masters Weeze 2016 - Erfahrungen Marathon 42km 1001

Wie beflügelt konnte ich die letzten 200 Meter wieder laufen. Plötzlich waren alle Schmerzen verschwunden! Ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit machte sich beim Überqueren der Ziellinie breit! Völlig erschöpft sprach ich ins Mikrofon der Moderatoren, ohne dass ich heute noch weiß, was genau ich gesagt habe. Die Uhr zeigte ca. 6:46 Stunden und 42,5 km an. Ich habe es geschafft:

42 Kilometer mit ca. 130 Hindernissen!

Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an Franzi, die mich während des gesamten Wochenendes unglaublich unterstützt hat! Danke fürs Mitkommen, dem endlosen Warten an der Strecke, dem Reichen von Wasser, Gels und Riegeln genau an den richtigen Punkten! Ohne dich hätte ich weder teilgenommen, noch hätte ich den Lauf überhaupt geschafft! Ein riesen Dank geht natürlich auch an Tobi, welcher mich motiviert hat und mit welchem die 42 Kilometer nur halb so schlimm erschienen!

 

DANKE DANKE DANKE!

Ihr seid auch bei Mud Masters 2016 in Weeze gestartet? Wie ist es euch dabei ergangen? Welches war euer Highlight-Hindernis? Auf welcher Distanz seid ihr gestartet?  Schreibt eure Erfahrungen zu diesem Event doch einfach als Kommentar unter diesen Beitrag. Ich freue mich über eure Berichte und Erfahrungen.

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