Ich erfuhr am Donnerstag den 09.06.2016, dass ich spontan für einen Läuferkollegen an den OCR European Championships einspringen konnte. Ohne gezielte Vorbereitung hatte ich durchaus Respekt vor dieser Mammutaufgabe, welche ich Letzen Endes glücklicher Weise annahm. Meine Startzeit war um 10.43 Uhr, ich startete als sogenannter Journeyman, somit in keiner festgelegten Altersklasse. Durch die spontane Teilnahme stieg die Aufregung natürlich ins Unermessliche, da ich mich vorher nicht über die zu absolvierende Strecke informierte und mir nur ein Bruchteil der Hindernisse bekannt waren. Am Vortag, sowie am Veranstaltungstag der OCR European Championships, fand zusätzlich der Strong Viking Run mit insgesamt ungefähr 35.000 Läuferinnen und Läufern statt.

Anreise

Wir, die OCR Heidesprinter, sind schon einen Tag vor Veranstaltungsbeginn angereist, um uns schon mit dem Gelände vertraut zu machen. Die Anreise von ungefähr 400 Kilometern haben wir mit einigen, wenigen Pausen in dreieinhalb Stunden gut bewältigen können. Als wir am Nachmittag angekommen waren, war unser erstes Ziel der Austragungsort am Wasserskigelände Berendonck Wichjen. Vor den Parkplätzen wurden wir direkt von Ordnern auf den richtigen Parkplatz verwiesen. Wir mussten, obwohl wir nicht am Strong Viking-Run teilnahmen, eine relativ hohe Parkgebühr von 5 Euro bezahlen.

Erster Eindruck

Wir schauten uns die zu bewältigenden Hindernisse, zum Teil Hinderniskomplexe, an und waren überwältigt. Solche krassen Hindernisse hatten wir noch nicht gesehen. Die anspruchsvollsten Hindernisse waren oft mit Seilen bestückt, in diesem Gebiet war ich noch sehr ungeübt. Zum Glück war ein kleines Trainingsgelände vorhanden, an dem wir kurzfristig unsere Fußarbeit am Seil trainieren konnten. „Ob das wohl noch helfen mag?“ Am Tag vor den Championships trafen wir auf bekannte Gesichter aus der deutschen OCR-Liga, mit denen wir uns spontan zum Abendessen verabredet hatten. Nun ja, wir waren aufgeregt und begaben uns in unser, circa zehn Kilometer entferntes, Hotel. Dort schliefen wir uns aus, um genügend Energie für den kommenden Tag zu tanken.

Ablauf am Veranstaltungstag

Der Tag war gekommen. Wir waren aufgeregt, jedoch voller Motivation. Das Abholen der Startunterlagen zeichnete sich als problemlos ab und funktionierte einwandfrei. Nachdem wir unsere Startunterlagen abgeholt haben, hatten wir noch ein kurzes Gespräch mit Bas Smit, dem Vorsitzenden der OCR Association Benelux, eine echt freundliche Atmosphäre. Gestartet wurde in Wellen aus maximal 10 Läufern, mit einer Minute Abstand, die Elite voran. Da wir alle in verschiedenen Klassen antraten, starteten wir alle ungefähr mit einem zehn minütigen Abstand voneinander.

Der Lauf

Ich startete um 10.43 Uhr, und damit als letzter Heidesprinter. Ich begab mich zum Startpunkt, ich stand vor der zu bewältigenden Mauer, hörte den Countdown und es ging los. Ein lauter Knall, der meinen Adrenalin Spiegel in die Höhe steigen ließ. Nach dem ich die Mauer (zum Glück) gut bewältigen konnte ging es auch schon weiter mit einer kleinen Laupassage über Stock und Stein. Das erste Hindernis war ein großer Parcour durch Schlammquellen- und Schlammberge. Nachdem dies bewältigt wurde, musste man die sogenannten Dragon Ropes hinauf klettern und am Ende des Seils eine Glocke betätigen. Ich war immer noch voller Adrenalin und die ersten paar Kilometer vergingen wie im Flug.

OCR_European_Championships_2016_001Nach den ersten Paar Hindernissen gelangte man zum Strand, von dort aus konnte ich meinen Startpunkt sehen. Es folgten die sogenannten UFO`S, welche mir im Vorhinein großen Respekt zollten. Das Hindernis bestand aus einem senkrecht gespannten Seil, mit einer eckigen Holzplatte in der Mitte, welche zu überqueren war. Zuerst wusste ich gar nicht, wie ich hier mein blaues Bändchen behalten sollte, aber beim dritten Versuch hat es mit Mühe geklappt und ich durfte mein Bändchen behalten. Die nächsten kleineren Hindernisse waren für mich einfacher zu bewältigen, Conquer the Castle, Sandsäcke schleppen. Nachdem ich mich wieder auf dem Waldboden befand, folgten zwei größere Hinderniskomplexe. Hier wurde die Griffkraft gefragt, da man fast durchgehend am Seil hing. Auch diese Hindernisse konnte ich mit etwas Zeit gut bewältigen, es folgte eine kurze Laufpassage von ungefähr 800 Metern. Nach dem diese vorbei war folgte ein Sprung ins Wasser, aus einer Höhe von ungefähr 5 Metern. Ich sprang, schwamm ans Festland und lief weiter. Am nächsten Hindernis zitterten meine Knie. Es war ein ungefähr sieben Meter langes Gestell, dort musste man Holstangen einklemmen und mit Schwung lang hangeln. OCR_European_Championships_2016_003Ich verbrachte 30 Minuten an diesem Hindernis und versuchte es immer und immer wieder. Schließich wurde ich von den Sweepern eingeholt, welche den Auftrag hatten das Feld von hinten aufzuräumen und somit blaue Bändchen einzusammeln. Nachdem ich mein Bändchen abgegeben habe war ich erschüttert, meine Motivation sank in den Keller und die nächsten Hindernisse konnten nur teilweise mit großer Mühe überwältigt werden. Der Rest des Parcours wurde von mir mit komplett anderen Augen wahr genommen, da ich ja nun ohne Bändchen weiter laufen musste. Die restlichen Hindernisse gestalteten sich als durchaus schwierig. Ich konnte ein paar Hindernisse, meistens in Kombination mit Seilen, nicht mehr bewältigen. Ich hatte leider nicht mehr die Gelegenheit, den letzten Hinderniskomplex ausgiebig auszuprobieren, ich bezweifle aber, dass ich ihn komplett hätte bewältigen können, da ich körperlich komplett ausgelaugt war.

Fazit

OCR_European_Championships_2016_004Zuerst möchte ich bei den Organisatoren bedanken, welche dieses Unglaubliche Event ermöglicht haben. Alles in einem kann ich sagen, dass ich sehr gerne auf dieses Erlebnis zurück blicke und mich mit anderen Läufern liebend gerne Austausche. Besonders gefiel mir die Masse und das Spektrum an unterschiedlichen Hindernissen, dies sorgte andauernd für Abwechslung und Erstaunen. Der Start funktionierte einwandfrei und man wurde auch als einer der letzten Starter von den Zuschauern angefeuert und bejubelt. Die Idee mit den zu verteidigenden Bändchen gefiel mir wirklich gut, da man somit noch mehr Motivation schöpfen konnte, aber man so wie ich auch eine halbe Ewigkeit an kurzen Hindernissen verschenken konnte. Schade war es, dass (als ich ins Ziel kam) nur noch Finisher Shirts in 2XL übrig waren, dies kann meiner Meinung nach einfach vorgebeugt werden. Jedoch ist für mich kein Lauf perfekt und es gibt immer Verbesserungsvorschläge. Trotz alledem war es ein unvergessliches Event, dem man die kleinen Unannehmlichkeiten aufgrund der ersten Austragung verzeihen kann

Lukas Veber

Bilder: OCR European Championships Facebook-Seite
Bewerte diesen Beitrag:
[Total: 9 Average: 4.8]
Hey! Ich bin Steffen, 28 Jahre und Autor dieses Beitrags. Hier einige Infos zu mir: Ich bin schon seit ich denken kann vom Sport fasziniert. Ich liebe außergewöhnliche Sportarten, die einem körperlich alles abverlangen und an meine Grenzen bringen. So stecke ich meine sportlichen Ziele immer wieder höher! Ich verbringe viel Zeit bei sportlichen Aktivitäten an der frischen Luft und in der Natur – ganz nach dem Motto „es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung“. Ich liebe Hindernis- und Extremläufe. Im Jahr 2016 habe ich meinen ersten Marathon mit Hindernissen und ersten 100 km Marsch gefinisht. Ich fahre auch in meiner Freizeit viel Fahrrad, gehe viel laufen und mache seit knapp zwei Jahren Bodyweight-Training. Ich liebe es mich in der Natur (Berge, Seen) zu bewegen, um neue Orte und landschaftliche Highlights zu entdecken. Die Sommer-Monate verbringe ich meist auf dem Stand Up Paddling Board. Auf dem SUP-Board erkunde ich sportlich Flüsse, Seen und Kanäle rund um Hamburg. Sport ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Hier fülle ich meine Energiereserven wieder auf, finde einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag und entwickle neue Ideen für diese Seite und meine YouTube-Kanal (FitnessBox). Über Kommentare und Nachrichten von euch hier auf der Seite freue ich mich immer sehr!

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!

Ich akzeptiere

Please enter your name here