SUP-Board vom Discounter – Das solltest du vor dem Kauf wissen!

Material, Steifigkeit und Fahreigenschaften

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Der Sport Stand Up Paddling (kurz: SUP) liegt voll im Trend. Der Markt an verfügbaren SUP-Boards ist in den letzten drei Jahren stark gewachsen und es wird, vor allem als Anfänger/Einsteiger, immer schwerer noch den Überblick zu behalten. Seit einiger Zeit mischen auch die Discounter bei den Wassersportarten mit und bieten ihr eigenes Stand Up Paddle-Board an. Das Angebot sieht auf den ersten Blick unglaublich verlockend aus: Neben dem SUP-Board gibt es noch ein gigantisches Zubehör-Paket mit dazu und das Board ist gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung mehr als 60% reduziert. Wer kann da noch widerstehen? Ich habe mir ein SUP-Board vom Discounter mal genauer angesehen und möchte euch in diesem Beitrag sagen, was ihr vor dem Kauf wissen solltet, warum das Board so günstig ist und warum das Billig-SUP nicht für jeden geeignet ist.

Das bezahlst & bekommst du für das Geld

Mich hat selber überrascht was bei so einem niedrigen Gesamtpreis (meist ab 250 Euro) alles im Lieferumfang enthalten sein kann. Neben dem Board gibt es einiges an sinnvollem und weniger sinnvollem Zubehör mit dazu:

  • aufblasbares SUP-Board (i.d.R. Allround)
  • Pumpe (im besten Fall Doppel-Hub)
  • Paddel (Alu mit Kunststoffblatt)
  • Leash (Sicherheits-Leine)
  • Rucksack für den Transport
  • Kajak-Sitz
  • Repair-Kit

Der Lieferumfang beim Discounter-Board lässt eigentlich keinerlei Wünsche offen und bietet alles, was für den Einstieg in das Stand Up Paddling benötigt wird. Ihr bekommt ein “rundum-sorglos-Paket” bzw. ein Komplett-Set. Nach Begutachtung von Board und Zubehör wird allerdings schnell deutlich, dass dieses nicht besonders hochwertig verarbeitet ist und auf einfaches Material gesetzt wird. Wer den Sport ernsthaft betreiben und nicht nur 1-2 Mal im Monat ein bisschen am See oder am Meer planschen möchte, sollte schon über ein etwas hochwertiges Board oder Komplett-Set nachdenken. Oft wird beim Discounter auch eine unverbindliche Preisempfehlung angegeben, welche meiner Meinung nach frei erfunden ist. Preise wie 799 Euro oder 599 Euro für ein solches Komplett-Set würde nie irgendwo irgendjemand bezahlen. Die UVP und die damit verbundene Reduzierung sind einfach Lock-Preise, die zum Kauf anregen sollen – in der Regel funktioniert das beim Discounter auch hervorragend, so dass die Boards meist nach wenigen Tagen komplett ausverkauft sind.

Qualität von SUP-Board & Zubehör

Natürlich gibt es bei Stand Up Paddle Boards auch unterschiedliche Preiskategorien und dementsprechend natürlich auch Unterschiede in der Qualität – Drop Stich ist nicht gleich Drop Stich. Trotzdem möchte ich gleich mit einem Vorurteil aufräumen:

  • Es sind nicht alle Billig-Boards schlecht und nicht alle biegen sich durch wie eine Banane!

Ich selber bin schon über 30 unterschiedliche aufblasbare Stand Up Paddle Boards gefahren. Die Preisspanne lag hier ungefähr zwischen 250 und 1300 Euro. Zwei Dinge habe ich hierbei herausgefunden: Es gibt durchaus auch günstige und gute Einsteiger-SUP Boards und bei den großen Marken wird natürlich zum Teil der Name mit bezahlt! Die Erfahrungen haben aber auch gezeigt, dass die Stand Up Paddle Boards der ganz großen Marken meist auch die beste Qualität aufweisen. Die Discounter-Boards gehören mit Preisen zwischen 200 und 300 Euro zur untersten Preiskategorie und bieten natürlich weitaus weniger Qualität als namenhafte Marken. Machen wir uns hier keine Illusionen – wer glaubt für 250 Euro ein hochwertiges Stand Up Paddle Board zu bekommen, hat sich noch gar nicht mit dem Sport beschäftigt! Als Anfänger und Einsteiger in den Sport fehlt meist der Gesamtüberblick über verfügbare Marken und Boards. Doch schauen wir uns das Komplett-Set vom Discounter-Board etwas mehr im Detail an:

SUP-Board

In den Komplett-Sets vom Discounter befinden sich eigentlich immer aufblasbare Stand Up Paddle Boards (sogenannte iSUP). Als Board-Länge gibt es hier immer den viel beworbenen Allrounder (bis ca. 11′), welcher eine Länge von 300-330cm hat. Dieser Board-Typ bietet eine breite Standfläche, eine abgerundete Spitze und soll das perfekte Anfänger-Board sein.

Single-Layer Drop Stich

Verkauft werden bei einem Preis von ca. 300 Euro idR. sogenannte Single-Layer Boards. Um das zu verstehen muss die Konstruktion von aufblasbaren SUP-Boards etwas genauer angeschaut werden: Die Steifigkeit bekommen die iSUP durch das sogenannte Drop-Stich. Dieses sind viele kleine Fäden, die miteinander verwoben und vernäht sind. Um diese Fäden wird eine PVC-Schicht geklebt. Bei Single-Layer SUP-Boards ist nur eine Schicht, um das Drop-Stich geklebt. Anschließend kommt noch das EVA-Deck (Standfläche) oben drauf und fertig ist das Stand Up Paddle Board. Bei hochwertigeren Boards sind meist zwei Schichten (Double-Layer) geklebt, was vor allem für mehr Robustheit, aber auch mehr Steifigkeit sorgt. Auch beim Drop-Stich gibt es natürlich starke Qualitätsunterschiede. Bei teureren Boards werden meistens auch mehr Fäden verwendet, was im aufgepumpten Zustand noch mehr Stabilität bietet. Zudem setzen einige Hersteller noch auf Verstärkungen (Carbon-Einschübe) an der Seitenlinie oder eine zusätzliche Schicht, die um das Board geklebt wird (Stringer), um noch mehr Steifigkeit zu bekommen. Einige Marken verschweißen die Nähte der Boards auch, was nicht nur für weniger Board-Gewicht, sondern auch für umweltfreundlichere Produktion sorgt. Wer ein Board beim Discounter kauft, sollte sich vorab etwas über die verwendeten Materialien und die Konstruktion informieren.

Was bietet das Discounter-SUP Board?

In der Regel eine einfache Single-Layer-Konstruktion. Bei Belastung mit hohem Gewicht, biegt das das Board im Wasser schon leicht durch und bietet weitaus weniger Robustheit und Steifigkeit. Damit ihr mit den Füßen nicht im Wasser steht, hat das Board meist 6″ (ca. 15 cm) in der Dicke (auch, um das Single-Layer wieder auszugleichen). Auch wenn beim Board eine Traglast von bis zu 150 kg angegeben ist, kann ich nicht empfehlen dieses noch mit dem Gewicht zu fahren. Dann habt ihr im Wasser tatsächlich die klassische Bananenform. Selbst bei mir (ca. 85 kg) hat sich das Board im Wasser schon leicht durchgebogen. Ihr bekommt beim Discounter ein sehr einfach konstruiertes und minimalistisches Stand Up Paddle Board, welches aufgrund einer breiten Standfläche (81-86 cm) oft eine gute Kippstabilität aufweist. Allerdings bringt einem die Kippstabilität wenig, wenn das Board an sich schon einen “wabbeligen” Eindruck im Wasser hinterlässt. Es ist zudem KEIN Board für lange Strecken (Allrounder), sondern eher für Familien-Spaß und planschen auf dem Wasser. Im Trend liegen auch die sogenannten Double-Chamber-Konstruktionen, die zwei Luftkammern haben. Dieses soll für mehr Sicherheit auf dem Wasser sorgen. Wer meint hier für diesen Preis eine sauber verarbeitete zweite Luftkammer zu bekommen, den muss ich leider enttäuschen! Selbst bei den Boards für 500 Euro war die Double-Chamber Konstruktion bisher eher schlecht umgesetzt und eher eine zusätzliche Schwachstelle!

Paddel

Das Paddel liegt schwer in der Hand (Gewicht meist über 1 kg), der Verschluss oben am Paddelgriff lässt sich nicht ganz fest ziehen, so dass sich der Griff bei mehr sportlichem Paddel gerne mal verdreht. Zudem bietet das Paddel-Blatt ein schlechtes Verhalten beim Paddelzug. Es flattert bei einem kräftigen Schlag im Wasser, so dass ein sauberer Basisschlag nur schwer möglich ist. Wer schon einmal ein hochwertiges Paddel in der Hand hatte, wird mit dem Billig-Paddel im Komplett-Set keinen Spaß mehr haben. Anfängern fallen diese Schwächen meist erst mit etwas mehr Können auf, wenn es nicht mehr nur darum geht, das Gleichgewicht auf dem SUP-Board zu halten – spätestens dann wird aber wieder Geld in ein neues Paddel investiert.

Pumpe

Die Pumpe ist mit das wichtigste Zubehör-Teil bei einem aufblasbaren Stand Up Paddle Board. Schließlich muss das Board damit vor dem Spaß auf dem Wasser in Form gebracht werden. Je besser die Pumpe funktioniert, desto angenehmer ist auch das Aufpumpen vom Board. Bei Discounter-Boards liegt meist eine ganz einfache Single-Hub-Pumpe mit bei, mit welcher es anstrengend ist das Board überhaupt auf den erforderlichen Druck (meist 15psi) aufzupumpen. Die Pumpe quietscht, die Griffstücke und die Trittfläche an der Pumpe sind zu klein, der Kolben hat zu viel Spiel und das Volumen pro Pump-Stoß ist zu niedrig. So vergeht vielen schon beim ersten Aufpumpen der Spaß und die Lust überhaupt den maximalen Druck, der für eine gute Steifigkeit zwingend erforderlich ist, aufzupumpen. Achtet beim Kauf eines Komplett-Sets unbedingt auf die Doppel-Hub Funktion der Pumpe, damit das Board schneller mit Luft befüllt werden kann! Es gibt aber auch bei den Doppel-Hub-Pumpen zum Teil starke Qualitätsunterschiede!

sonstiges Zubehör

Kajaksitz und Kajakpaddel sind zwar “nice-to-have” aber niemand kauft sich ein Stand Up Paddle Board, um am Ende im doch im Sitzen seine Runden zu drehen. Der mitgelieferte Rucksack ist von Material in der Regel einfach, mit dünnen Nähten, so dass dieser nicht besonders lange halten dürfte. Positiv ist aber auf jeden Fall die Sicherheitsleine (Leash), die nun auch bei vielen Discounter-Boards mit beiliegt. Diese sollte allerdings von Anfänger auch unbedingt benutzt werden!

Fahreigenschaften

Erwartet vom Discounter-Billig-SUP keine Wunder was die Fahreigenschaften angeht. Durch die leichte Durchbiegung im Wasser habt ihr eine Bananen-Form, welche die Gleiteigenschaften stark einschränkt. Die Spitze vom SUP-Board ragt aus dem Wasser wodurch ein Geradeausfahren nur schwer möglich ist. Das Fahren ist dadurch anstrengender, weil das Wasser richtig unter das Board drückt und dieses dabei ausbremst. Der Vorteil einer Durchbiegung ist aber die Wendigkeit, die damit einher geht. Die fehlende Steifigkeit sorgt für eine hohe Drehfreudigkeit im Wasser. Das Board ist von den Fahreigenschaften nichts für lange SUP-Touren, sondern eher mal was für planschen auf dem See.

Sollte ich das SUP-Board kaufen?

Letztendlich musst du selber entscheiden, ob dir so ein vergleichsweise einfaches SUP-Board ausreicht und du das Geld dafür ausgeben möchtest. Es gibt bisher wenig Erfahrungen was den Langzeittest und die damit verbundene Robustheit angeht. Niemand kann sagen, ob nicht das Ventil nach zwei Jahren undicht wird oder sich die PVC-Schichten lösen. Allerdings weiß ich auch, das sich nicht alle ein teures SUP-Board leisten können und dann natürlich nach günstigen Alternativen geschaut wird. Der Traum vom eigenen Stand Up Paddle Board und die damit verbundene Flexibilität lassen hier viele Schwach werden. Einsteiger haben meist auch gar keine Vergleichsmöglichkeiten was Material und Boards angeht und sind dann natürlich auch mit solch einfachen SUP-Boards vom Discounter zufrieden. Deshalb mein Appell an euch: Probiert vorher einfach mal ein paar Boards aus – gerne auch unterschiedliche Längen und Marken. Geht zum Verleih, leiht euch für ein paar Stunden ein Board und schaut wie euch der Sport allgemein gefällt. Wenn ihr den Sport ernsthaft betreiben wollt, seid ihr auch bereit etwas mehr Geld zu sparen und euch dann vielleicht gleich das richtige SUP-Board zu kaufen. Überlegt euch auch realistisch wie oft ihr das Board wirklich nutzen würdet und ob sich ein Kauf von einem eigenen Board überhaupt lohnt (Umweltgedanke). Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass die Boards ab 500 Euro einfach robuster sind und auch langfristig mehr Spaß bringen. Vergleicht Material, informiert euch und leiht euch ein paar Boards – Am Ende wollt ihr das Billig-Board vom Discounter vielleicht gar nicht mehr!?



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Hey! Ich bin Steffen, 28 Jahre und Autor dieses Beitrags. Hier einige Infos zu mir: Ich bin schon seit ich denken kann vom Sport fasziniert. Ich liebe außergewöhnliche Sportarten, die einem körperlich alles abverlangen und an meine Grenzen bringen. So stecke ich meine sportlichen Ziele immer wieder höher! Ich verbringe viel Zeit bei sportlichen Aktivitäten an der frischen Luft und in der Natur – ganz nach dem Motto „es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung“. Ich liebe Hindernis- und Extremläufe. Im Jahr 2016 habe ich meinen ersten Marathon mit Hindernissen und ersten 100 km Marsch gefinisht. Ich fahre auch in meiner Freizeit viel Fahrrad, gehe viel laufen und mache seit knapp zwei Jahren Bodyweight-Training. Ich liebe es mich in der Natur (Berge, Seen) zu bewegen, um neue Orte und landschaftliche Highlights zu entdecken. Die Sommer-Monate verbringe ich meist auf dem Stand Up Paddling Board. Auf dem SUP-Board erkunde ich sportlich Flüsse, Seen und Kanäle rund um Hamburg. Sport ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Hier fülle ich meine Energiereserven wieder auf, finde einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag und entwickle neue Ideen für diese Seite und meine YouTube-Kanal (FitnessBox). Über Kommentare und Nachrichten von euch hier auf der Seite freue ich mich immer sehr!

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