Bei langen Wanderungen und Märschen wird immer wieder die Frage nach den richtigen Schuhen gestellt. Die richtige Schuhwahl ist mindestens genau so wichtig wie die richtige Sockenwahl. Schließlich möchte jeder möglichst ohne große Blasen und Schmerzen die langen Wanderungen überstehen. Doch welche Schuhe nehme ich für einen 50 oder 100 km Marsch? Welche Schuhe sind für sehr lange Wanderungen sinnvoll? Diese Frage lässt sich so allgemein gar nicht beantworten. Denn jeder Fuß ist anders und jeder hat andere Bedürfnisse. Sportschuh, Wanderschuh oder Trekkingstiefel – jede Schuhart hat Vor- und Nachteile, die ich euch in diesem Beitrag einmal näher erläutern möchte. Bei der Wahl der richtigen Schuhe müssen allerdings auch noch weitere äußere Faktoren mit in Betracht gezogen werden.

Wegbeschaffenheit und Wetter

Bevor ihr auf eine lange Wanderung geht solltet ihr euch vorab über die Strecke und die Wegbeschaffenheit informieren. Führt die Strecke über einen unebenen, steinigen oder sogar bergigen Weg? Gibt es extrem matschige Wegabschnitte? Das für sehr unebenes und bergiges Gelände die Sportschuhe nicht die beste Wahl sind, erklärt sich von selbst. Doch auch bei Feuchtigkeit oder sogar Schnee sind die Sportschuhe hier ganz klar im Nachteil. Nur wenige Sportschuhe sind wasserdicht und bieten einen zuverlässigen Schutz gegen Kälte und Nässe. Nasse Socken und kalte Füße können im schlimmsten Fall zu einem vorzeitigen Ende des Marsches führen. Wenn der Wetterbericht vorab starke Regenschauer voraussagt, solltet ihr lieber zu wasserdichten Wanderschuhen oder Trail-Running Schuhen greifen. Sollte euer Wanderweg hauptsächlich auf ebenen Wegen (befestigte Wald- und Feldwege) oder sogar im urbanen Gelände (Städte, Radwege) entlangführen, könnt ihr auch mit Sportschuhen glücklich werden.

Sportschuhe – nicht (immer) die beste Wahl!

Ich selber bin bei meinem ersten 100 Kilometer-Marsch insgesamt 74 km mit Sportschuhen gewandert und würde es wahrscheinlich auch wieder so machen. Doch als ein Streckenabschnitt durch einen bergigen Wald führte, in welchem es keine durchweg befestigten Wege gab und tiefe Furchen von Waldfahrzeugen den Weg ebneten, habe ich mir Schuhe mit deutlich festerer und trittsicherer Sohle gewünscht. Der Nachteil von Sportschuhen wurde hier deutlich: Sportschuhe haben eine sehr flexible Sohle, die zwar für ein angenehmes Trage- und Abrollgefühl sorgt, dafür aber auch extrem dünn und anfällig für unebenes Gelände und Steine ist. Die Gefahr mit den Schuhen umzuknicken war besonders auf diesem Weg deutlich erhöht. Zudem bieten Sportschuhe generell nur eine geringe Stützfunktion, da das Obermaterial für das Laufen flexibel sein muss.

Sportschuhe zum Wandern?

Ein weiterer Nachteil ist die Anfälligkeit bei Nässe und Schnee. Im ersten Moment können Sportschuhe zwar auch dieses abhalten, auf längere Zeit gesehen bekommt ihr aber auch nasse Socken. Diese können im schlimmsten Fall zu kalten Zehen und Blasen führen, was auch hier zu einem vorzeigten Ende der Wanderung führt. Gerade in den Wintermonaten kann es immer matschige oder nasse Wege mit Pfützen geben, wo euch Sportschuhe das leben unnötig schwer machen. Ihr findet auf den Wegen keinen Halt, rutscht auf dem matschigen Untergrund, aufgrund des fehlenden Profils, einfach weg. Doch Sportschuhe haben nicht nur Nachteile. Sie sind oft sehr bequem und angenehm zu tragen, da das weiche Material der Schuhe nicht auf den Fuß drückt. Zudem sind Sportschuhe angenehm leicht, was gerade bei langen Wanderung ein großer Pluspunkt ist. Es ist möglich auch 100 km mit Sportschuhen zurückzulegen. Allerdings sollten einem die Vor- und Nachteile bewusst sein. Die fehlende Dämpfung, die dünne Sohle und das flexible wasserdurchlässige Obermaterial können auf die lange Distanz schnell zum Nachteil werden.

Die Qual der Wahl, welche Schuhe ziehe ich an?

Wanderschuhe – viele Modelle erschweren die Wahl

Wanderschuhe sind nicht gleich Wanderschuhe. Die Modelle reichen hier mittlerweile von sehr leichten Wanderschuhen, die stark an Trail-Running-Schuhe angelehnt sind, bis hin zu schweren Trekking-Stiefeln, die auch eine Bergwanderung auf sehr unebenem Gelände problemlos Stand halten. Auch bei Wanderschuhen lohnt sich vorab wieder ein Blick auf das Gelände und die Wettervorhersage. Neben meinen Sportschuhen wandere ich selber auch gerne mit Halbschuhen als Wanderschuhe. Diese haben oft eine festere und trittsichere Sohle, so dass diese auch auf leicht unebenen Böden noch einen guten Halt bieten. Zudem sind die Wanderschuhe komplett wasserdicht und können somit auch bei matschigen oder sehr feuchten Wegen problemlos getragen werden. Allerdings kommt mit der festen Sohle der Wanderschuhe nicht jeder klar. Das ungewohnte Laufgefühl, das schwerere Abrollen und das andere Schuh-Feeling erfordern in der Regel eine längere Eingewöhnung. Wer seine Wanderschuhe allerdings einmal eingelaufen hat und sich an das Material, das Profil und die Steifigkeit gewöhnt hat, wird diese auch weiterhin gerne tragen. Für lange Wanderungen, auch wenn es mal in das unebene Gelände geht, bieten Wanderschuhe deutliche Vorteile gegenüber den leichten Sportschuhen.

Wanderschuhe über den Knöchel für maximale Stabilität

Noch ungewohnter als Halbschuhe sind für uns richtige Wanderstiefel, welche oft über den Knöchel reichen und somit noch mehr Stabilität bieten. Allerdings ist das Lauf- und Gehgefühl in solchen Stiefeln oft sehr ungewohnt und erfordert eine noch längere Eingewöhnung. Die wenigsten Tragen solche Stiefel auch im Alltag, wodurch das sehr steife Gefühl, auch um den Knöchel herum, oft zu einem anstrengenden Unterfangen wird. Zudem sind die Wanderstiefel meist auch deutlich schwerer als die Halbschuhe oder die Sportschuhe, weshalb ich diese für lange Wanderung nicht unbedingt empfehlen würde. Sollte eure Tour allerdings über viele unbefestigte Wege und Geröll führen und es in die Berge gehen, können auch solche Wanderstiefel einen Vorteil bieten. Auch bei hohem Schnee oder etwas tieferen Pfützen bleiben eure Füße hier garantiert trocken. Wanderstiefel können für den Ein- oder Anderen passen. Jeder ist anders und kommt mit unterschiedlichen Schuh-Varianten am besten klar.

Ausprobieren und Testen ist Pflicht

Da jeder andere Vorlieben hat und mit unterschiedlichen Schuhen am besten klar kommt, hilft es hierbei nur viel auszuprobieren und auf seinen Körper zu hören. Macht euch vorab ein paar Gedanken über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Schuh-Varianten für lange Wanderungen. Geht in ein Outdoor-Geschäft, lasst euch beraten und probiert ganz viel aus. Nehmt euch hierfür ruhig etwas mehr Zeit und tragt die Schuhe auch im Geschäft ruhig ein paar Minuten länger. Kein Verkäufer wird euch nach 10 Minuten die Schuhe wieder vom Fuß reißen. Ihr könnt diese dort in der Regel so lange tragen, wie ihr wollt und ihr euch ganz sicher seid. Probiert unterschiedliche Schuh-Varianten und unterschiedliche Materialien. Einige bevorzugen Gore-Tex, andere wiederum Leder als Obermaterial. Bevor ihr dann auf eure große Wanderung oder euren großen Marsch geht, testet die Schuhe auch vorher schon mal bei kleineren Wanderungen aus. Dann dürftet ihr am Ende auch beim Event keine bösen Überraschungen mehr erleben. Ich selber bevorzuge leichte Wanderschuhe mit Gore-Tex Material, da dieses wasser- und winddicht und trotzdem atmungsaktiv ist. Gerade bei sehr langen Wanderungen oder 100 km Märschen sind leichtere Schuhe ein großer Vorteil.

Was für Schuhe bevorzugt ihr bei sehr langen Wanderungen? Schreibt eure Erfahrungen und eure Meinung gerne als Kommentar unter diesen Beitrag. Ich freue mich über eine rege Diskussion und viele unterschiedliche Meinungen.

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Hey! Ich bin Steffen, 28 Jahre und Autor dieses Beitrags. Hier einige Infos zu mir: Ich bin schon seit ich denken kann vom Sport fasziniert. Ich liebe außergewöhnliche Sportarten, die einem körperlich alles abverlangen und an meine Grenzen bringen. So stecke ich meine sportlichen Ziele immer wieder höher! Ich verbringe viel Zeit bei sportlichen Aktivitäten an der frischen Luft und in der Natur – ganz nach dem Motto „es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung“. Ich liebe Hindernis- und Extremläufe. Im Jahr 2016 habe ich meinen ersten Marathon mit Hindernissen und ersten 100 km Marsch gefinisht. Ich fahre auch in meiner Freizeit viel Fahrrad, gehe viel laufen und mache seit knapp zwei Jahren Bodyweight-Training. Ich liebe es mich in der Natur (Berge, Seen) zu bewegen, um neue Orte und landschaftliche Highlights zu entdecken. Die Sommer-Monate verbringe ich meist auf dem Stand Up Paddling Board. Auf dem SUP-Board erkunde ich sportlich Flüsse, Seen und Kanäle rund um Hamburg. Sport ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Hier fülle ich meine Energiereserven wieder auf, finde einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag und entwickle neue Ideen für diese Seite und meine YouTube-Kanal (FitnessBox). Über Kommentare und Nachrichten von euch hier auf der Seite freue ich mich immer sehr!

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